Oski’s erste Ausfahrt

Am 22. Januar wurde der entscheidende Schritt vollzogen: Oski bekam seine Papiere beim Strassenverkehrsamt. Die Wechselnummernhalter waren als Vorarbeit schon montiert. Somit durfte er endlich offiziell auf die Strasse. Das Wetter präsentierte sich in der vorletzten Januarwoche für die Jahreszeit überaus mild, Salz war nur ansatzweise auf den Strassen auszumachen und ich konnte am Donnerstagnachmittag ins verlängerte Wochenende starten. Gute Voraussetzungen für eine ausgiebige Tour – ausser dass ich wegen abweichender Freitage von Alice allein fahren musste…

Die Ziele waren in Baden-Württemberg: Murrhardt – einen Kumpel besuchen, Weinsberg – Termin bei einer Firma, Göppingen – Kumpel besuchen, Bad Boll – Matratzen anschauen und ausprobieren, Leutkirch – nach der Goldschmitt-Zweigstelle suchen.

Eine Übernachtung im Fahrzeug war nicht geplant. Die Bettwäsche noch nicht an Bord, ebensowenig weitere Textilien. Gas fehlt auch. Und die Gästebetten bei meinen Freunden sind mehr als ok.

Aber mal den Jumper einfahren und erfahren ist ja auch was wert. Also auf die Bahn, das Rheintal runter Richtung Bodensee, dann Wechsel nach Österreich und durch den Pfändertunnel in die Bunte Republik. In der Schweiz und Vorarlberg lief es tiefenentspannt mit Tempomat 108. Kurz nach Lindau fing das Elend an: Ein LKW hinter dem anderen, ganze Kolonnen waren unterwegs nach Norden. Ich fragte mich ja schon, wo die denn alle plötzlich herkamen… jedenfalls musste ich die Fahrweise entsprechend ändern und ein paar Kohlen nachlegen. Man will ja nicht zum Hindernis werden. Wird man aber doch, wenn man nicht mit 180 die Lastwagen überholt…

Deutsche Autobahn – das ist leider allzu oft eine Mischung aus nervig bis gefährlich. Mit dem Jumper passt man im Prinzip nicht nach rechts und nicht nach links. Nur auf die mittlere Spur – und davon gibt es zu wenig.

Bei einbrechender Dunkelheit waren dann noch circa 60 Kilometer knapp geschnittene Landstrasse zu fahren. Was war ich froh, dass Oski nicht übermässig breit ist! So ging das locker. Ein Hoch auf den Kastenwagen!

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Oski auf der Löwensteiner Platte

Der Folgetag: Von Murrhardt nach Weinsberg über reizvolle, teils enge und kurvige Strassen und mit Abstecher zum Baumarkt in Backnang wieder zurück. Alles kein Problem, ich bekomme das Gefühl für die Breite und den langen Radstand. Die richtigen Gänge für die jeweilige Fahrsituation sitzen auch langsam. So macht die Fahrt auf die Löwensteiner Platte, im Sommer ein gut besuchter Bikertreff, sogar mit dem WOMO Spass. Wer hätte das gedacht. In Ortschaften und Städten wirkt der Kasten allerdings doch manchmal etwas sperrig. Der Blick für die richtigen Parkplätze zum Beispiel fehlt noch etwas…

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Schwäbische Traumfabrik – was für ein Firmenname. Aber der ist definitiv Programm!

Samstags führte die Fahrt via Welzheim, Lorch, Göppingen nach Bad Boll. Schöne Strecke mit wenig Verkehr. Oski durfte mal kurz Stellplatzluft schnuppern: Der Stausee Aichstrut bei Welzheim bietet einen solchen. Ganz nett hier. Und in der Saison sicher gut besucht. In Bad Boll besuchte ich die Schwäbische Traumfabrik. Hier gibt es auch Matratzen für Wohnmobile. Die werden vor Ort gefertigt. Der Ablauf eines Kaufes ganz grob: Matratzen morgens vor 9 bringen, nachmittags die neuen abholen. Wow! Beratung top. Probeliegen wie auf einer Wolke – das könnte was sein. Billig sind die nicht, aber das Geld sicher wert. Ich werde berichten…

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Stellplatz am Stausee Aichstrutt: Hübsches Fleckchen im Schwäbischen Wald nahe Welzheim.

Sonntag Heimreise. Den Albaufstieg hoch ist keine Sache. Gang Fünf macht das locker. In Ulm abbiegen Richtung Süden und gegen den Südwestwind anfahren. Wind von schräg vorn kann schon nerven. Es rauscht vernehmlich, der Motor knurrt etwas mehr, immer mal eine Richtungskorrektur – ein Kasten ist kein Aerodynamikwunder. Aber die Autobahn ist ohne LKW-Schlangen kaum wiederzuerkennen, sehr angenehm.

In Leutkirch habe ich mal geschaut, wo denn die Goldschmitt-Niederlassung ist. Nur mal rein informativ. Der Stellplatz ist praktischerweise gleich dahinter. Und Leutkirch ist nebenbei auch eine ganz nette kleine Stadt, die einen Besuch wert ist. Obwohl wir schon öfters dort waren, gibt das sicher nochmal ein Wochenende mit Oski.

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Goldschmitt in Leutkirch: Könnte sein, dass wir hier mal einen Termin haben.

Ab Leutkirch nochmals bewusst auf Nebenstrecken durch das Allgäu. Schmale Strassen, verschlafene Dörfer, grüne Wiesen (sogar im Januar 18) und kleine Wälder. Oski durfte nochmals seine Wendigkeit unter Beweis stellen.

Schliesslich war dann definiv Heimweg angesagt, dieser verlief ohne nennenswerte Störungen von anderen Verkehrsteilnehmern oder Zollbeamten.

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Zurück in den Bergen: Die erste Tour hat Spass gemacht und hätte durchaus einige Tage oder Wochen länger dauern dürfen 😉

Fazit nach der ersten Tour: Ich bin froh über den Kasten. Manche Strecke und Situation wäre mit einem grösseren Mobil nicht halb so entspannt zu meistern. Der Langstreckenkomfort ist bis Tacho 110 recht gut. Ab dann nehmen die Geräusche doch zu.  Die Federung ist – sagen wir mal sportlich. Manches wird gut geschluckt, andere Unebenheiten kommen erschreckend ungefiltert durch. Aber die Beladung ist ja auch noch minimal derzeit. Seitenneigung ist kaum spürbar in Kurven, das ist die positive Seite. Der Innenausbau gibt sich zufriedenstellend ruhig. Die Badtür rappelte vernehmlich, ansonsten der Inhalt der Schränke, der nicht explizit lärmreduzierend verstaut wurde. Von allen Wohnmobilen, die ich bisher gefahren bin, ist der Runner mit Abstand das ruhigste. Die Blechhülle wirkt auch einfach vertrauenerweckend.

Jetzt bin ich gespannt auf die erste Nacht 🙂

 

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kai sagt:

    Hallo Jens,

    schön zu lesender Text. Danke dafür! Somit ist die Jungfernfahrt gut gelaufen, freut mich. Dann kommt jetzt hoffentlich auch bald die erste Nacht.

    Was die Fahreigenschaften angeht, stimme ich allem zu. Die genau gleichen Erfahrungen hab ich auch schon gemacht.
    Und die Deutschen Autobahnen: als PKW Fahrer bin ich dort gerne und auch flott bis schnell unterwegs. Aber mit dem Kasten, zweispurige Strecken, womöglich noch bei Dunkelheit…man schaut mehr in den Rückspiegel als vorne raus und erntet dann doch irgendwann ne Lichthupe. Echt mühsam. Die LKW Kolonnen sind einfach der pure Wahnsinn.

    Du warst in Weinsberg!? Ich dachte ich les nicht recht. Da schneiden sich unsere Lebenslinien also nochmals. In Weinsberg bin ich ja aufgewachsen, 20 Jahre dort gelebt. Familie noch immer dort. Haben wir da womöglich gemeinsame Bekannte…?
    Löwensteiner Platte kenne ich natürlich auch. Im Sommer immer rappel voll dort. 🙂

    Viele Grüsse und immer gute Fahrt.

    Kai

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    1. vanamericana sagt:

      Danke fürs Feedback. Richtige Erlebnisse schreiben sich auch einfach lebendiger 😉
      Die erste Nacht – hmmm, jetzt wird es erstmal wieder kälter. Vielleicht sollte ich gerade deswegen? Mal sehen…
      Die Gegend vom Murrtal nach Weinsberg war echt nett. Und Löwenstein ist ja schon fast eine Passfahrt! Kein Wunder, ist das ne Töffstrecke.

      Grüsse
      Jens

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