Wir kommen aneinander vorbei

Im Kastenwagen geht es in der Regel eng zu. Das, was bei Fahren für Entspannung sorgt, präsentiert sich im Campermodus als gelegentlich nervender Engpass: Die Innenbreite.

Die Einbauten in allen Kastenwagen sind ein Kompromiss aus verschiedenen Bedürfnissen beim Raumangebot. Wer auf eine grosszügige Dinette nicht verzichten will muss sich mit einem engeren Bad oder kürzeren Betten arrangieren. Wer nicht auf Knien im Kühlschrank rumkramen möchte, hat dafür die Kühlschranktür vor dem Kopf. Wer auf ein menschenwürdiges Bad ohne Umbaumassnahmen steht, muss um die Wellnessoase herum mit Platzeinschränkungen leben. So unterschiedlich die Raumkonzepte der Kastenwagenbauer sind – zaubern können alle nicht.

Oski, unserer Runner 636, bietet von Haus aus eine recht ausgewogene Verteilung des zur Verfügung stehenden Raums. Die Betten sind recht lang, der Kühlschrank in bedienungsfreundlicher Höhe, im Bad kann man sich bewegen. Abstriche muss man dafür bei der Dinette mit einem etwas schmaleren Tisch und einem recht engen Mittelgang machen.

Zumindest beim Mittelgang gibt es eine Lösung, die mir schon beim Besichtigen der Ausstellungsfahrzeuge als Verbesserungsmöglichkeit in den Sinn kam: Badtür bündig zur Wand nach innen versetzen und auf den Griff verzichten. Wir gewinnen 15 mm Platz auf der gesamten Türfläche und beim Gebrauch der Küche stört der vorstehende Griff im Bereich des Allerwertesten nicht mehr.

Bei der Überführung, während Bastelstunden und nach der ersten Fahrt manifestierte sich dieser Gedanke. Die Tür klapperte beim Fahren, ich hängte mehrmals mit der Gurtschlaufe im Türgriff ein, und dieser ist weder designtechnisch noch qualitativ wirklich was wert. Vielmehr wirkte er in seiner labbrigen, klapprigen Plastikanmutung so, als würde er demnächst eh abfallen. Zaubern kann auch Clever nicht bei dem Preis…

Also Termin in der Schreinerei gemacht und die Lage besprochen: Tür dem Ausschnitt anpassen, also an der Scharnierseite und Unterkante kürzen. Klavierband als Scharnier montieren. Griff entfernen und durch ein Griffloch ersetzen. Verschluss durch Möbelmagneten.

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Die Badtür im Serienzustand: Bei unserem Oski habe ich die Tür gar nie fotografiert, also muss hier ein Ausstellungsmodell einspringen.

Das Ergebnis der Änderung überzeugt in Form und Funktion:

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Eingelassen und ohne Türgriff präsentiert sich die Tür ganz anders. Ich würde das „cleane“ Aussehen als durchaus hochwertiger bezeichnen.
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Innen braucht die Tür neu einen Anschlag. Dieser wurde aus dem abgeschnittenen Teil der Tür gewonnen. Insgesamt drei Magneten sichern die Tür.
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Positiver Nebeneffekt: Vorher liess sich die Tür nur bis zum Kühlschrankgriff öffnen. Jetzt ist der Schwenkbereich 180°.
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Haarscharf am Griff des Kühlschrankes vorbei – passt. Die Tür könnte man in dieser Position auch als Raumtrenner nutzen. Mal sehen…

Um noch auf den Titel dieses Beitrags zurückzukommen: Im Gang herrscht nun keine einseitige Verkehrsführung mehr. Wir kommen ohne den Türgriff und mit den zugewonnenen Millimetern Gangbreite nun tatsächlich aneinander vorbei, was den Alltag sicher entspannender macht.

Bewegte Bilder gibt es auf dem Youtube Kanal

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christian sagt:

    Guten Tag,
    eine tolle Lösung, die du da umgesetzt hast! allerdings frage ich mich nun folgendes, die Tür ist doch normalerweise auf dem Holz angeschraubt, nun sitzt die Tür direkt im Durchgang, nun müssten doch von den alten Beschlägen die Bohrlöcher zu sehen sein? Oder……
    Grüße aus Berlin, Christian.

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    1. vanamericana sagt:

      Hallo Christian Einige Bohrlöcher gibt es. Die wurden mit Holzspachtel auf Wachsbasis ausgefüllt und fallen nur noch auf, wenn man weiss wo sie waren. Grüsse aus den Bergen, Jens

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  2. Detlev sagt:

    Hallo

    Kannst du mir die genauen Masse mal geben die deine Türe jetzt hat.

    Die Idee ist wirklich genial, das mit der schmalen Türe beim reingehen nervt.

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    1. vanamericana sagt:

      Hallo Detlev
      Sobald ich das nächste mal beim Auto bin, messe ich nach. Aber vorweg: Die Tür entspricht genau dem Ausschnitt in der Wand minus etwas Luft an allen Seiten.
      Hat sich sehr bewährt, auch die „Raumteiler-Funktion“ und Möglichkeit, sie ganz nach hinten zu klappen. Freut mich, das es dir gefällt.

      Grüsse
      Jens

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