Deutschlandtour 2018 – Teil 3

Rügen ist Deutschlands grösste Insel und mit seiner geografisch starken Gliederung landschaftlich sehr abwechslungsreich. Als Reiseziel wählten wir den kleinen Ort Dranske, ganz im Nordwesten auf der Halbinsel Wittow auf einer Landzunge gelegen. Hier war eine gehörige Prise Meeresluft garantiert, was wir durch die Lage des Caravancamp Ostseeblick direkt am Westufer auch teilweise deutlich zu spüren bekamen. Der Platz hat einen guten Ruf und wir können diesen bestätigen. Dranske ist sicher nicht der allerschönste Ort und schockiert bei der Anfahrt erstmal mit einigen Plattenbauten. Der Ortskern präsentiert sich aber durchaus nett und rundherum ist viel Natur.

Aber mal der Reihe nach: Am Morgen statteten wir in Waren noch der Firma MMG einen Besuch ab. MMG fertigt Schiffspropeller und gehört in dieser Branche zu den Topfirmen. Die Propeller hatte ich schon in Hamburg bei einer Hafenrundfahrt gesehen und hier konnte man ganz nah ran. Die grössten Exemplare haben einen Durchmesser von über 10 Metern und wiegen 150 Tonnen – sehr beeindruckend. Leider durften wir nicht auf das Firmengelände. Die Fahrt von der Müritz zur Insel verlief störungsfrei.

Der Empfang auf dem Platz war sehr nett und zuvorkommend. Ein Platz in der zweiten Reihe war dann unser Zuhause für die kommenden 5 Tage und das Einrichten schnell erledigt. Am frühen Abend machten wir einen längeren Strandspaziergang und genossen die Seeluft bei angenehmer Wärme. Die hungrigen Mägen wurden später mit Pizza im Dorfzentrum beruhigt.

Am Donnerstag schlug das Wetter um. Deutlich kühler, windig und regenerisch war heute an grössere Outdooraktivitäten nicht zu denken. Somit gabs einen Städtetrip mit Oski nach Bergen, die grösste Stadt der Insel. Bergen ist soweit ganz nett und hat einige reizvolle Ecken – ein Muss ist der Besuch aber nicht. Immerhin hörte der Regen dort auf. Am Nachmittag fuhren wir noch nach Putbus, das mit seiner weissen Jugenstilarchitektur um den zentralen Platz deutlich mehr Charme versprach. Wir parkten Oski am Bahnhof und angesichts dunkler Wolken aus Nordwest gab es statt einem Stadtrundgang eine Fahrt mit dem „Rasenden Roland“. Die Schmalspurbahn mit ihren Dampfloks ist nicht nur Eisenbahnfreunden ein Begriff, sondern auch bei sonstigen Besuchern beliebt und nebenbei ein gut funktionierendes Nahverkehrsunternehmen mit Taktfahrplan. Wetterbedingt konnten wir den offenen Wagen nicht nutzen und nahmen im liebevoll ausgestatteten Speisewagen Platz. Die Fahrt nach Binz war im strömenden Regen und mit beschlagenen Scheiben eher ein Blindflug, machte aber Appetit auf ein weiteres Mal.

Am Abend liess der Regen nach, dafür frischte der Wind nochmehr auf. Nudeln mit einer aufgemotzen Tomatensauce und Salat waren das erste Menu, dass komplett auus Oskis Küche kam. Passt…

Nach dem Essen war nochmals Strandspaziergang angesagt und der hatte es in sich! Der Wind war zum Sturm geworden, laut Wetterbericht Stärke 9 bis 10 aus Nordwest – also voll in unsere Richtung. Entsprechend pfiff es um die Ohren und die Ostsee schäumte. War beeindruckend und Oski schaukelte in der Sturmnacht doch ganz ordentlich, da wir die Breitseite im Wind hatten.

Wind war auch am folgenden Tag ein Thema. Die Radtour zum Kap Arkona war bei der Hinfahrt von einem ordentlichen Rückenwind geprägt. Über Felder, durch kleine Dörfer wie Lancken und Schwarbe erreichten wir Putgarten und machten einen Abstecher in idyllische Fischerdörfchen Vitt. Von dort führte der Weg zum Kap. Das eigentliche Kap ist leider gesperrt, da der Fels instabil ist. Für einen guten Auslick empfiehlt sich daher der Leuchtturm. 144 Stufen später hatten wir dann einen tollen Rundumblick. Für die Rückfahrt wählten wir die Route entlang der Steilküste. Diese führt zumeist durch Wald und daher etwas windgeschützt – tolle Ausblicke und Schüttelpisten inklusive.

Rügens Seebäder sind bekannt für ihre Strände und die Bäderarchitektur mit den villenartigen und reich verzierten weissen Jugenstilbauten. Mit Oski fuhren wir nach Binz. Es herrschte ordentlich Trubel, ein Strassenkunstfestival fad im mondänen Kurort statt. Nach Zwischenverpflegung und etwas Shopping war nochmals der Rasende Roland angesagt. Diesmal im Cabriowagen bei schönem Wetter. Der Zielbahnhof war das Ostseebad Sellin mit seiner Seebrücke. Der Weg vom Banhof zum Ortszentrum und Strand ergibt einen ausgiebigen Spaziergang. Die Seebrücke dient auch heute noch als Anleger und beherbergt auch ein nettes Restaurant. „Restaurant“ war denn auch noch so ein Thema am Samstagabend: Im netten Bahnhofsrestaurant von Sellin wollte uns die Servicekraft kein Essen bis zu nächsten Zug in einer Stunde garantieren. Und auf dem Weg Richtung Dranske fanden wir im Vorbeifahren keine Restaurants, die uns anlockten oder noch eine offene Küche hatten So war es dann kurz vor Neun, als wir auf dem Camp ankamen und das „Notfallmenü“ aus Oskis Bordküche, bestehend aus Dosenklopsen und Salzkartoffeln mit Salat futterten. Wir haben gelernt: In den ländlichen Gebieten Rügens ist abends nach Acht oft schon Küchenschluss und der hungrige Tourist darf weiterfahren…aber als Camper ist man in solchen Fällen ja flexibel.

Sommerferien auf der Insel ohne einen Sprung ins kühle Nass, das geht gar nicht. Das Wasser als kühl zu bezeichnen, beschreibt das Baderlebnis nicht wirklich. Die vom Sturm gut durchmischte Ostsee hatte vielleicht 15 Grad. Die Sonne wärmte zumindest den Strand an der Schaabe, der schmalen Landzunge zwischen Hauptinsel und Wittow. Mal ein paar Stunden in den Dünen relaxen war mal ganz nett. Am letzten Abend auf der Insel ein kleines Fazit: 5 Tage reichen bei weitem nicht, um Rügens Sehenswürdigkeiten alle zu besuchen und die Regionen tiefer kennzulernen. Die Insel ist abwechslungsreich und ermöglicht vielerlei Aktivitäten. Nochmals hier einige Tage zu verbringen ist also für uns durchaus denkbar.

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Letzter Blick auf Dranske

 

 

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