Westallgäuer Städtetrio

Das westliche Allgäu ist von Oberschwaben nur einen Steinwurf entfernt. Es verwundert daher nicht, dass beide Regionen kulinarisch eng verwandt sind. Obwohl wir beide auch diesbezüglich einige Spezialitäten genossen haben, soll die Überschrift dieses Blogs aber mehr für drei ganz unterschiedlicher Kleinstädte des Westallgäus stehen.

Wir hatten zwischen Früh- und Spätschicht ein „langes Wochenende“ zur Verfügung, der Aufbruch am späten Freitagnachmittag war möglich, aber zu weit sollte es auch nicht werden. Wangen hiess das Ziel. Nur 115 Kilometer von der Homebase in Graubünden entfernt liegt diese Kleinstadt wirklich am Rande des Allgäus und für uns recht schnell erreichbar. Wir waren vor Jahren schon einmal dort und erinnerten uns an die schöne Altstadt. Da der Stellplatz nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt liegt, ist Wangen auch beim angekündigtem Regen ein passendes Ziel.

Das dachten sich auch jede Menge anderer Wohnmobilfahrer: Alle 40 Plätze waren belegt. Entgegenkommende Mobile kündigten dies schon bei der Anfahrt an. Aber wir sind ja nicht allzu gross und deshalb flexibel, somit langt auch ein „normaler“ Parkplatz am Flüsschen Argen und noch etwas näher an der Innenstadt für Oski. Und Wangen wollte für diesen, anders als für den Stellplatz auch kein Geld. Machen wir das abendliche und verregnete Wangen unsicher…

Nur 5 Minuten von Oski trafen wir das Lamm, das Gasthaus mit diesem Namen wohlgemerkt. Sah nett aus, im Bauch meldete sich eh der Hunger, also nix wie rein. Lamm Wirts Traum und Saure Linsen mit Spätzle entführten uns ins kulinarische Allgäu. Deftige traditionelle Gerichte wie sie einfach hierher gehören.

Nach den satt machenden Spezialitäten folgte ein Bummel durch die abendlichen Gassen der Altstadt. Obwohl die Kernstadt nur etwas über 16000 Einwohner hat, ist diese am verregneten Freitagabend durchaus noch lebendig. Die Gastronomie hat durchaus einige Perlen zu bieten, eine davon ist sicher das Vivo .

Die witzige Aufmachung, interessante Gerichte und Getränke erfordern hier bei Gelegenheit nochmals einen Besuch.

Für etwas Spannung sorgte später noch ein Kinobesuch. Während der Nacht gab es auf dem Parkplatz keine Störungen, lediglich am frühen Morgen waren einige Autos zu hören. Am Samstagvormittag machten wir nochmals die Innenstadt mit ihren vielfältigen Geschäften unsicher. Frühstück in Form eines Croissants mit Kaffee gab es in der Patisserie de Pierre, auch dieses Lokal ist mit seinen französisch angehauchten Spezialitäten definitiv einen Besuch wert.

Ortswechsel: Ganze 18 Kilometer und wir kommen am frühen Nachmittag in Isny an. Der gepflegte Stellplatz in der Seidenstrasse liegt nett zwischen Bach und Stadtpark. Am Park befindet sich auch das Kurhaus, wo man in der Touristeninformation den Stellplatz bezahlen kann. Auch Infos zur Stadt und zum Umland bekommt man hier. Wir habe uns einige Radtourenvorschläge mitgenommen. Und so ging es am Nachmittag bei bestem Wetter auf zwei Rädern auf eine Runde um Isny herum, die typisch für diese Gegend, sehr idyllisch und abwechslungsreich war.

Die Innenstadt von Isny ist überschaubar, bietet aber dem hungrigen Radfahrer durchaus einige Möglichkeiten zur Stärkung. Leckeren Kuchen oder eine Leberkässemmel bekommt man zum Beispiel beim Bäcker Mayer in der Fussgängerzone. Nach der Stärkung entspannten wir noch einige Zeit auf dem Stellplatz. Dann wurde Oskis Wasserboiler angeheizt, nach dem Sportprogramm war eine Dusche angesagt.

Den Brauereigasthof Engel wählten wir für das Abendessen und hatten Glück, noch einen Platz zu bekommen. Die mit Malz panierten Schnitzel waren lecker, das hausgebraute Zwickelbier ebenso. Da es wiederum etwas Nass von oben gab, begaben wir uns ohne Umwege zurück zum Stellplatz.

Nach ruhiger Nacht päsentierte sich der Sonntagmorgen zuerst etwas grau, dann kam die Sonne durch. Heute war Flohmarkt und die Geschäfte offen. Entsprechend war der Trubel in der Innenstadt gross. Wir mischten uns für eine Runde unters Volk. Zurück auf dem Stellplatz wurde Frischwasseraufgefüllt und Grauwasser entsorgt. Mittags war dann die Weiterfahrt nach Lindenberg angesagt.

Auf Nebenstrassen führte die Fahrt entspannt und verkehrsarm durch das Allgäu. Eine zu niedrige Brücke sorgte noch für einen landschaftlich schönen Umweg, bevor wir am Stellplatz in Lindenberg eintrafen. Der Stellplatz war nur von zwei weiteren Wohnmobilen besucht, somit fast frei Platzwahl. Unweit des Stellplatzes liegt der Waldsee, zur Innenstadt läuft man zu Fuss in ca. 10 – 15 Minuten.

Am Waldsee liegt auch ein Hotel mit Terassenrestaurant. Saftige Preise und Indutriekuchen verdienen im Gegensatz zur schönen Lage keine Empfehlung. Die Hochmoor-artige Gegend um den See ist ideal zum Spazieren, Wandern oder Radfahren – wir machten einen Spaziergang durch Wald und Wiesen um den See. Nachmittags war Chillen angesagt: Stühle raus und lesend die Sonne geniessen.

Brauereigaststätten stehen meist für eine angenehme Kombination aus Bierspezialitäten mit traditioneller regionaler Küche. Bei zweiterem macht auch das Gasthaus zum Alten Bräuhaus keine Ausnahme. Bier wird hier allerdings nicht mehr gebraut. Das Essen war hingegen lecker, die Portionen auch für den grossen Hunger ausreichend. Nach dem Essen spazierten wir noch durch die Lindenberger Innenstadt, die anders als die beiden vorangegangenen Städtchen fast keine aneinandergebauten Häuserzeilen hat, sondern eher aus einzelnen Stadtvillen besteht und sich deswegen eher aufgelockert-dörflich präsentiert. Dominierendes Gebäude im Ortsbild ist die durchaus prunkvolle Stadtkirche.

Auf dem Heimweg zu Oski kündigte ein warmer Wind den angesagten Wetterwechsel an. Kaum hatten wir die Schiebetür von Oski geschlossen, fing es an zu tröpfeln. Kurz darauf prasselte der Regen fast seitwärts an die rechte Autoseite. In der ersten Nachthälfte erlebten wir wie der Wind am Kasten rüttelte und Regen wohl in allen Varianten, was im trockenen und beheizten Schlafgemach durchaus seinen Reiz hat. Anders als ursprünglich vermutet, ist das Blechdach eines Kastenwagens von der Geräuschkulisse eher ruhiger, als die Aufbauten der von uns gemieteten Camper. Leichter Regen ist wirklich kaum wahrnehmbar.

Während der Nacht sprang gelegentlich die Heizung an, um die Temperatur auf 19° zu halten. Draussen waren es dann am Montagmorgen nur noch frische 6 Grad. Der Herbst ist eingetroffen. Eine ruhige Heimfahrt beendete schliesslich das verlängerte Wochenende im Allgäu.

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