Weichgespült im Allgäu

Ein grauer, nebelverhangener Montag im Dezember: Wir haben auf dem Firmengelände von Goldschmitt in Leutkirch übernachtet. Um 8 Uhr hat Oski einen Termin in der Filiale des Fahrwerksspezialisten: Er bekommt das Camper+ Smart-Paket verpasst.

Vorne neue Federbeine, hinten Zusatzluftfedern auf den Blattfedern, getrennt voneinander regelbar. Also eigentlich das Standardpaket für Jumper-, Ducato-, Boxer-Fahrer die von allem etwas mehr haben wollen: Komfort, Bodenfreiheit, Einstellmöglichkeiten, Fahrstabilität

Kurz im Büro eingecheckt beim netten und kompetent wirkenden Chef Herr Geble. Dann fahre ich Oski in die Halle auf die Wiegeplatten für die Vorderachse – anhand der Vorderachslast wird die einzubauende Federhärte gewählt. 1 Minuten später rolle ich leicht zurück von der Waage herunter und wir übergeben Oski den Mechanikern von Goldschmitt. Mittags soll er abholbereit sein. Zeit, um Leutkirch zu Fuss unsicher zu machen.

Unsicher laufen wir dann auf teils spiegelglatten Weg den Kilometer in die kleine Innenstadt. Es ist Markttag und die Stadt auch schon morgens um 9 schon recht lebendig. Verschiedene Kommissionen sind zu erledigen, Apotheke, Metzger, Drogeriemarkt, Dekogeschäft und andere Lädchen, an denen insbesondere Alice Freude hat. Irgendwann nach 10 Uhr unterbrechen wir den Einkaufsbummel und genehmigen uns erstmal ein Frühstück im Cafe Stöhr.

Danach geht es noch ins Lebensmittelgeschäft, Maultaschen und andere Spezialitäten dürfen nicht fehlen. Kurz nach halb Eins treffen wir mit gut gefüllten Taschen wieder bei Goldschmitt ein. Oski steht stolzer als sonst in der Werkstatt, die Höherlegung ist erkennbar. Der Herr Geble lässt die 3 Tonnen für uns nochmals schweben und wir begutachten die verbauten Teile von unten. Dann geht es schnell: Erklären der Technik, Rechnung zahlen, fertig. Wir sind gespannt wie Flitzebögen auf das Fahrerlebnis.

Also aufsitzen und los. Beim Anfahren hebt sich die Front ganz leicht, hmmm. Der erste Gullideckel: Plopplop, wow! Statt Tatang also neu Plopplop und ein leichtes Schwingen. Ja wie soll ich die schriftlich rüberbringen, diese neuen Fahrwerksgeräusche…? 😉

Ich komme später drauf zurück, jetzt wird erst mal gefahren – in Richtung Isny, dann nach Kempten. Wir beschliessen, wir hängen noch eine Nacht dran. In Kempten gibt es alles was wir brauchen: Stellplatz in Innenstadtnähe, ein hübsches Zentrum, einen Weihnachtsmarkt und nette Gastronomie. Nach 20 Minuten trudeln wir auf dem Stellplatz am Stadion ein, ausser uns noch ein Clever Celebration, passt…

5 Euro Obolus entrichtet und ab in die Stadt. Als hätten wir noch zuwenig geshoppt…aber Kempten bietet auch wieder interessante Geschäfte. Irgendwann erreicht uns der Regen, den wir auf dem Weg hinter uns gelassen haben. Auf dem Weihnachtsmarkt flüchten wir mit Glühwein unter ein Dach – also Schnee wäre definitiv passender. Nach einem Bummel über den kleinen netten Weihnachtsmarktplatz treibt uns aufkommender Hunger ins Schalander, wo wir noch einen letzten Platz ergattern. Eine heisse Flädlesuppe wärmt, Hackbraten und Schweinsbraten füllen und ein Weissbier-Tiramisu sorgt für Isolationsmaterial auf den Rippen. Der Heimweg führt nochmals über den Markt und dann über die Illerbrücke zum Stellplatz, wo wir eine ruhige Nacht verbringen.

Dienstagmorgen, blauer Himmel, welch ein Kontrast zum grausligen Montag! Es gibt ein gemütliches Oski-Frühstück in Kempten und dann? Ja, so ein Camper macht flexibel…fahren wir doch mal nach Oberstdorf – an diesem schönen Tag ein lohnendes Ziel. Somit die 40 Kilometer nach Oberstdorf geschwebt, na nicht ganz, aber irgendwie sind die schlechten Strassen verschwunden. Kurz vor 11 teffen wir auf dem Stellplatz ein und bekommen einen der letzten freien Plätze zugewiesen. Oski scheint der einzige Kasten zu sein und gehört hier inmitten der Weissware zu den ganz kleinen.

Bei den zwei vorangegangen Besuchen in Oberstdorf waren zeitbedingt keine grösseren Aktivitäten in der Gegend möglich. Heute aber steht die Zeit- und Wetter-Ampel auf Grün: Wir fahren mit der Seilbahn auf das Nebelhorn, den Hausberg des Ortes. Die Talstation ist zehn Gehminuten vom Stellplatz weg. Der Andrang hier ist aufgrund Vorsaison nicht gross, es gibt keine Wartezeit und so schweben wir durch ein langezogenes Tal der Gipfelregion entgegen. Dreimal muss man bis zum Gipfel umsteigen, oben wird die „Mühe“ belohnt mit einer wirklich beeindruckenden Aussicht. 400 Gipfel sollen es sein – das klingt glaubhaft. Aufgrund der Lage am Alpenrand ist auch der Blick nach Norden ins Flachland weitreichend. Natürlich nicht nur vom Gipfelkreuz aus, aber das will auch mit kurzem Fussweg bezwungen sein. Gelungen ist auch das Gipfelrestaurant, sowohl was Ambiente und Angebot, als auch die Aussicht angeht.

Eine kurze Talfahrt zur Station Höfatsblick später, wollen wir noch etwas in der frisch verschneiten Bergwelt auf 1900 m verbleiben und machen einen Spaziergang auf dem kurzen freigegebenen Stück Winterwanderweg, bevor wir die Talfahrt antreten. Diese ist abenteuerlicher als erwartet: Die rappelvolle Gondel macht an der ersten Stütze halt für einige Minuten, irgendwas fällt auf das Dach (?), dann geht die Fahrt wieder langsam bergauf? Hmmm… Oben kurzer Stopp und dann gehts in normalem Tempo tatsächlich störungsfrei und endgültig auf Talfahrt.

In Oberstdorf lässt es sich genüsslich durch die Gassen schlendern, auch wenn die Gehwege teilweise echte Eisbahnen waren. Wir mögen den Ort wirklich sehr. Zwischendurch mal aufwärmen im Cafe Franziskus und drin gefühlt einen Zeitsprung von 40 Jahren zurück machen in, sagen wir mal, traditionellem Ambiente. Nach dem Bummel ist noch Einchecken auf dem Stellplatz angesagt. 20 Euro 20 für eine Nacht inkl. zweimal Duschen.  Ja die Lage…  die ist wirklich gut, so nah an allem und trotzdem ruhig. Aber Ambiente und Services wie WLan oder auch nur ein netter Empfang sind definitiv verbesserungswürdig. Zudem ist der komplette Platz jetzt im Dezember eine Eisfläche, die insbesondere weniger beweglichen Campingfreuden das Leben schwer macht. Etwas Streumaterial wäre angebracht.

Nach dem Einchecken auf dem Platz checken wir die Gastroszene. Mancher Gasthof hat noch Saisonpause, die offenen sind gut besucht. Saschas Kachelofen sah von aussen gut aus, dieser Eindruck setzt sich innen fort, rustikal, gepflegt und liebevoll dekoriert, fühlt man sich nicht nur wohl, sondern auch nett aufgenommen. Das Essen führt den positiven Eindruck weiter. Einfach gut, die Maultschensuppe, die Haxenpfanne und das Wiener Schnitzel.

Viertel nach sieben, alles aufgegessen, und nun? Man könnte ja ins Kino! Oberstdorf hat zwei, wir entscheiden uns für die Fabelhaften Tierwesen und irgendwas mit Grindelwald im Loft-Kino. Den Film muss man nicht unbedingt gesehen haben, aber das Kino ist echt witzig mit seinem Lounge-Ambiente. Wann hockt man im Kino schon mal auf dem Zweiersofa am Tisch? Ein schöner Ausklang dieses Tages, der eindruckvoll die Vorteile eines eigenen rollenden Heims aufzeigt.

Mittwochmorgen war der Himmel wieder grau. Nach anfangs kalter Nacht zeigt das Thermometer nun leichte Plusgrade. Die Heizung auf 20° ergibt ein angenehmes Klima im Schlafzimmer und wir haben gut geschlafen. Heute ist mal eine Grundreinigung angesagt, wir schlittern über den Eisplatz zur Dusche und die ist absolut ok. Dann heisst es langsam packen und aufbrechen. Alice möchte noch in Feldkirch etwas einkaufen. Die Route führt über den Riedbergpass in den Bregenzerwald und dort mittendurch zum Faschinajoch, dem 1486 m hohen Übergang in grosse Walsertal und von dort schliesslich in die Feldkircher Gegend.

Nach kurzem Einkauf dort, war die Rückreise das Rheintal hoch nur noch Formsache. Wollte ich nicht noch was schreiben? Jaaa, genau, das Fahrwerk…

Wie schon geschrieben: Die schlechten Strassen sind verschwunden! Na ja nicht ganz, aber da wo man vorher zusammen mit den Einbauten gelitten hat, macht man sich nun keine Sorgen mehr. Kleine Unebenheiten werden fast komplett glattgebügelt. Wir haben kurvige Bergstrassen hinter uns, Autobahn, Flickenteppiche, Betonplatten, Seitenwind und vieles mehr. Das Auto neigt sich anfangs etwas mehr, wirkt aber sicherer in der Kurve. Oski lenkt willig und geschmeidig ein, durchfährt Kurven wie auf Schienen, der „Slalom“ am Riedberg war super zu fahren. Es scheint auch, als sei die Bodenhaftung besser und das Heck ruhiger. Autobahn mit Betonplatten war bisher eher ein unkomfortables, ständiges Auf-und-Ab. Nun gleiten wir mit leichten Bewegungen drüber. Seitenwind scheint auch weniger auszumachen, hier ist es aber für eine endgültige Bewertung noch zu früh. Frappierend der Unterschied bei einzelnen Unebenheiten wie Gullydeckeln, Brückenfugen oder groben Flicken. Die auch akustisch derben Schläge sind einem sanften, dumpfen Ruck gewichen. Und was auffällt, ist auch das gänzlich verschwundene Zittern im Lenkrad, das vorher gut wahrnehmbar durchdrang.

Ich bin immer leicht misstrauisch, wenn in der Fachpresse sehr positiv geschrieben wird. Zumindest in diesem Fall bestätige ich aber die Richtigkeit des bisher gelesenen. Das Paket von Goldschmitt ist einfach goldrichtig.

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Christian sagt:

    Ein schöner Artikel, und eine schöne Schreibweise.
    Frohe Weihnachten und Grüße Christian

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    1. vanamericana sagt:

      Danke Christian
      Auch dir schöne Festtage!
      Grüsse Jens

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