Frühstück am Flüela

Das Ziel des Samstagabends ist die Flüelapassstrasse, aber zuvor sehen wir uns noch einen weiteren möglichen Stellplatz an: Kurz nachdem wir das Sankt Antönier Tal verlassen, liegt der Ort Pany hoch über dem Prättigau. Was Pany neben dem hübschen Ortsbild und der schönen Umgebung auszeichnet, ist das Freibad. Dieses liegt auf 1300 m über dem Ort in bester Aussichtslage und ist unbeheizt. Und es ist mit dieser Eigenschaft eines der höchsten der Alpen. Ich selbst habe das Bad im Sommer 2018 besucht, damals lag die Wassertemperatur bei 25°C und somit im angenehmen Bereich. Vor der Kulisse des oberen Prättigaus zu schwimmen, vom Beckenrand den Ausblick in die Bergwelt zu geniessen, das ist echt ein Erlebnis und eine Empfehlung wert. Dass sich am Bad ein grosser Parkplatz befindet, macht es für Wohnmobilfahrer nochmals attraktiver, auch wenn man auf Keile zumindest im unten Teil kaum verzichten kann um die Hütte gerade zu bringen. Im Winter gibt es zudem ein Nachtparkverbot wegen Schneeräumung. Mal schauen, vielleicht probiere ich die Kombination aus Baden und Schwimmen im kommenden Sommer mal aus…

Von Pany schrauben wir uns in vielen Kurven wieder ins Tal hinunter, bevor es in Richtung Davos weiter geht. Die Fahrt verläuft unspektakulär und störungsfrei. Nach guten 30 Minuten biegen wir in Davos zum Flüelapass ab. Geht Kais Plan, hier kurz vor der Schranke der Wintersperre zu übernachten, auf? Google Maps und Viasuisse sind sich uneinig, ab wo die Stasse dicht ist, und wie es mit den Parkplätzen aussieht wissen wir nicht. Wir fahren die gut geräumte Strasse hoch, rumpeln gelegentlich mal über eine Eisplatte und fahren weiter, als es laut der Viasuisse Strassenkarte möglich ist. Oberhalb von Tschuggen kommt dann die Barriere, kurz nach einem geräumigen Parkplatz. Dort stehen schon einige Autos und ein weiterer Kasten, aber wir haben mehr als genug Platz. Wir stellen die Autos ab und freuen uns, dass das Ziel so gut erreichbar ist. Und dann die schöne Lichtstimmung der Abenddämmerung, wieder einmal ein genialer Moment!

Jetzt wird erst mal der Platz erkundet, während zuvor die Gerstensuppe deutlich verdünnt und wieder erwärmt wird. Die Vorspeise nehmen wir in Oskis Wohnzimmer. Dass die Sitzbank in einem Kastenwagen eher eng ausfällt, ist kein Geheimnis. Die ansonsten recht bequeme Cleversitzbank gehört hier eher zu den schmalen und auf der ausgeformten Seitenwange sitzt es sich nicht bequem. Für die Suppe geht es gerade so. Den Hauptgang bereiten Ädu und Kai mit ihren Omnia-Backöfen. Es gibt zweierlei leckere Aufläufe bzw. Gratins – gegessen wird im Chausson, dessen Bank doch deutlich breiter und ohne seitliche Ausformung auch bequemer zum Sitzen für zwei ist. Lecker sind beide Gerichte, danke fürs Kochen und die gute Bewirtung. Ich muss meinen Omnia auch mal kochtechnisch einweihen…

Zu später Stunde, mit vollen Bäuchen, verspüren wir nochmals etwas Bewegungsdrang. Man könnte ja mal die schneebedeckte Strasse zum Pass hochlaufen…zumindest ein Stück. Gesagt, getan, kurz darauf finden wir uns auf der Flüelastrasse, mit Stirn- oder Taschenlampe bewaffnet und spazieren bergauf im Sternenlicht. Die trockene Luft in der Höhe ermöglicht einen unglaublichen Blick in den Himmel. Man sieht einfach viel mehr Sterne als vom Tal aus. Nach einer Dreiviertelstunde kehren wir dann um, schliesslich ist es kurz vor Mitternacht. Und so ein aktiver Tag mit viel Bewegung und noch mehr Eindrücken macht auch müde.

Am Sonntagmorgen erinnert die Geräuschkulisse an den Samstag zur gleichen Zeit: Eintreffende Autos, Geklapper, Unterhaltungen: Auch der Flüela ist beliebtes Wintersportgebiet und man sollte jetzt im Spätwinter früh auf, um nicht in (Lawinen-)Gefahr zu geraten. Heute drehe ich mich noch mal um und schlafe bis halb neun, bis die Sonne hinter dem Berg hervorkommt. Und dann? Standardprogramm, Drohne in die Luft. Kai und Ädu stehen schon draussen rum, auch Silvio ist schon früh auf, absolvierte eine Wanderung in der verschneiten Landschaft und kommt gerade wieder zurück. „Frühstück wir draussen“, schlägt Kai vor. Angesichts der engen Wohnzimmer unserer Autos keine schlechte Idee. Location Parkplatz aber nur so halb attraktiv. Und dann kam der alles verändernde Vorschlag von Silvio: Warum nicht auf dem hinter dem Parkplatz befindlichen Testgelände von BMW, nur durch einen hohen Schneewall vom Parkplatz getrennt, frühstücken? Ein recht ebene feste Schneefläche, vielleicht so gross wie zwei Fussballfelder und wir allein mit dem Frühstücksbüffet darauf. Wie g..l ist das denn? Der Spruch mit „Unser Heim ist klein und unsere Terrasse die Welt“, hier passt er wieder mal sowas von! So genial wie die Location, so reichhaltig und lecker das was auf dem Tisch steht: Selbstgebackner Zopf von Kai, verschiedene Wurst- und Käsesorten, Eier, Konfitüre, Honig, Nudossi, Müesli, alles da. Mmmmh…

Eine gute Stunde sitzen wir am epischen Frühstückstisch und geniessen das Leben an diesem sonnigen Sonntagvormittag. Irgendwann ziehen Wolken auf, als wollten sie uns sagen, dass es Zeit für den Heimweg ist. Und in der Tat, kurz vor zwölf beenden wir das aussergewöhnliche Frühstück, machen die Kästen für die Abfahrt bereit und brechen dann irgendwann nach eins auf. Die anfangs von der Drohne begleitete Talfahrt verläuft zu dieser recht frühen Stunde ohne rückreisebedingte Staus.

In Landquart endet der Trip schliesslich da, wo er begonnen hatte.

Der Beweis wurde wieder einmal erbracht: Die fantastischen Momente und Orte, die man mit seinem Kastenwagen erleben kann, brennen sich ins Gedächtnis ein.

Erlebnisse welche man garantiert nie mehr vergisst. 🙂

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Joachim H. (johebo) sagt:

    Geniale Tour mit 4 gewinnenden Typen! (Gewinner im Hochsprung war allerdings leider Kai…)

  2. Jutta sagt:

    Hallo Jens
    Es waren 4 wunderschöne Filme es macht immer wieder Spaß euch zuzuschauen
    Grüße Jutta

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