Reserverad Nummer zwei

Plattfuss in der Pampa – so könnte man das auslösende Szenario in der Tat bezeichnen. Die Reiseleiter haben ihre Erfahrungen und deswegen eine dringende Empfehlung: Für die grosse Reise ist mindestens ein zweiter Reservereifen oder besser ein Komplettrad angeraten.

Was Besitzern von Autos mit grossen Stauräumen oder Fernreisemobilen nur ein müdes Lächeln ins Gesicht treibt, stellt sich für den Kastenwagenreisenden mit Jumper/Ducato/Boxer-Basis als Herausforderung dar: Wohin mit dem zweiten Ersatzrad?

Der Keller ist meist beschränkt und mit Material belegt, oder er hat, wie im Falle des Clever Runners überhaupt gar keinen Platz für ein solch, von nahem betrachtet, gar nicht so kleines Rad, das in unserem Fall doch an die 75 cm Durchmesser und 25 kg Gewicht hat. Das normale Rad hängt hinten unter dem Heck, für ein zweites ist unter dem Auto kein Platz.

Es gibt für MB Sprinter und VW Transporter verschiedene Konstruktionen, die das Rad am Heck transportieren. Für die Sevel-Kastenwagen existiert keine fertige Lösung. Ein Dachgepäckträgerwäre eine Lösung, die aber auch wieder Nachteile hat. Für die Anhängerkupplung gibt es auch nix Fertiges. Somit habe ich mir Gedanken gemacht, wie man das Rad an der Hecktür an bringen kann.

Einfach ans Blech schrauben ist kein Weg. Das Blech ist dünn und konstruktiv nicht für Lastenaufnahme vorgesehen. Metallplatte zur Verstärkung von innen ginge irgendwie, ist aber extrem aufwändig. Da kamen mir die Radträger für die Hecktüre in den Sinn. Tausendfach bewährt wäre das eine Möglichkeit. Nur muss man für ein Reserverad ja nicht einen Fahrradträger zweckentfremden und ein solch sperriges Teil auf die Tür schnallen. Es genügen die Befestigungsschienen des Trägers um den eigentlichen Radträger mit dem Fahrzeug zu verbinden. An die Schienen kommt eine Platte aus Stahl oder Aluminium, aus der drei oder fünf Gewinde im Lochkreis der Felgen herausstehen.

Rad draufstecken, festschrauben, fertig ist der Träger. Soweit die Theorie, unten meine Zeichnung…

Ersatzradhalterung

Ich habe das Konstrukt bei Bolliger, meinem Clever-Händler angeschaut.  Zuerst war dort nur die Montage der Schienen angedacht, inzwischen will er es als Komplettlösung realisieren. Mal sehen, vielleicht füllen wir eine Marktlücke, die bisher noch gar nicht existierte… Der Träger sollte in den nächsten Wochen kommen – ich werde berichten.

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Axel Hempelmann sagt:

    Hallo Jens,
    danke für die Beschreibung (und übrigens auch für das YT-Video)! Ich hoffe, die Reserverad-Halterung (bzw. überhaupt die Tür! ) hält dauerhaft den dynamischen Belastungen stand! Üblicherweise werden bei Reserverad-Halterungen sonst die Türscharniere mit zur Befestigung genutzt:

    https://assets.bigcartel.com/product_images/218896801/product_image.jpg?auto=format&fit=max&h=1000&w=1000

    So hält das bei meinem auch seit 25 Jahren, das Türblech selbst hat sich allerdings an der Halterung trotzdem allmählich ganz schön verbeult…

    Für Mercedes und VW Crafter gibt’s sowas fertig zu kaufen, für die Fiat / PSA habe ich das auch noch nicht gefunden – da gibt es wohl weniger Bedarf?

    Bei uns in D muss übrigens die neue Länge des Fahrzeugs mit Halter in die Papiere eingetragen werden – allerdings ohne das Reserverad selber, das als Ladung zählt 😉

    Viele Grüße aus München,
    Axel

    1. vanamericana sagt:

      Hallo Axel
      Ja die Türlösung ist sicher nur 2 . Wahl. Aber ich habe mir die Finger wund gesucht im Netz und nix gefunden. Und die Scharniere eignen sich mit ihrer Form auch nicht für irgendwelche Gestelle. Knackpunkt ist wahrscheinlich schon die Aufenthaltsdauer des Rades an der Tür. Zusammen mit den sicher nicht immer perfekten Strassen auf der Tour gibt das schon eine Dauerbelastung. Ich behalte das sicher im Auge…
      Muss man in D auch einen Fahrradträger eintragen lassen? Ist ja eigentlich nix anderes.
      Nun, die Konstruktion muss die Reise überstehen inkl. Anreise und vielleicht noch Rückreise. Hierzulande ist das Teil ja eh nicht abnahmefähig, denke ich. Da müsste man wahrscheinlich ziemlich in Gutachten und was weiss ich investieren. Wenn ich von der Tour zurück bin und das Rad noch dran, dann ist es sicher haltbar 😉
      Danke für deinen Input! Grüsse, Jens

  2. Axel Hempelmann sagt:

    Hallo Jens,
    Kriterium für die Eintragung ist bei uns, ob das Teil mit dem Fz. fest verbunden ist oder mit „Bordmitteln“ demontierbar – hierzu zählt nur das vom Hersteller beigelegte Bordwerkzeug, nicht aber der zusätzlich mitgeführte Ratschenkasten 😉 Da blieben in deinem Fall also allerhöchtens die Schienen – die verändern aber nichts an den Maßen und treten daher wohl nicht in Erscheinung. Bei mir ragt aber schon der Halter ein paar cm über die Stoßstange raus; daher der Eintrag.
    So hat denn auch ein leicht demontierbarer Farradträger nichts in den Papieren verloren, sondern zählt als Ladegut…

    Ich finde deine Lösung auf jeden Fall technisch und auch optisch gelungen; den Papierkram wird wohl am anderen Ende der Welt niemanden interessieren.

    Gab´s eigentlich einen Grund, die Halterung von der Fahrerseite auf die Beifahrerseite zu wechseln?

    Viele Grüße, Axel

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