Über die Wurzeln in Bad Wurzach

Vor Ostern haben wir noch zwei freie Tage, Wetterbericht verspricht Sonne und angenehme Temperaturen, somit ein Fall für Oski… Dieser befördert uns am Gründonnerstag in gut anderthalb Stunden stressfrei ins grenznahe Ausland.

In Oberschwaben waren wir schon mehrfach, uns gefällt diese unaufgeregte, ländlich geprägte Region mit ihren kleinen Städtchen einfach gut. Die Landschaft ist wellig und hat bei genauem Hinsehen manche Perle zu bieten. Eine dieser Perlen ist das Wurzacher Ried, das grösste intakte Hochmoorgebiet in Europa. Wir waren 2018 auf dem Rückweg vom Federsee schon mal durchgefahren und diese archaische, an Skandinavien erinnernde Landschaft blieb irgendwie gespeichert. Ebenso die Ortsdurchfahrt durch das benachbarte, kleine Städtchen.

Bad Wurzach hat einen ruhig gelegenen Stellplatz am Ortsrand, der von der nahegelegenen Vitalium-Therme betreut wird. Dort muss man also einchecken. 5 Euro 50 plus 2 mal 1.50 Kurtaxe sind angemessen, die Gästekarte bietet einige Aktivitäten und Vergünstigungen. Parkkarte hinter der Scheibe montiert und ab mit dem Rad ins Ortszentrum. Dort, genauer im Cafe Schuhmacher, halten wir dem aufkommenden Hunger mit Feuerwehrkuchen und Leberkäsesemmel entgegen. Es folgt ein kurzer Rundgang durch das kleine Stadtzentrum, bevor wir auf zwei Rädern in Richtung Ried streben. Nach kurzer Fahrt kommen wir zum Gelände der Torfbahn. Ein Museum, mehrere alte Gebäude, Gleisnanlagen. Ein rühriger Verein kümmert sich um das Ganze und organisiert zwei mal im Monat Fahrten ins Moor. Leider heute nicht…

Aber halb so schlimm, vom Gelände führt der Torflehrpfad ins Moorgebiet, ein Rundweg mit Infotafeln, der teilweise auf Bohlenwegen in einer halben Stunden einen Einblick in den Torfabbau verschafft. Schön gemacht! Nach dem Rundgang durch das Feuchtgebiet schwingen wir uns wieder auf die Bikes und düsen entlang des Riedgebietes, durch Wald und über Feld weiter. Nach einigen Kilometern geht es leicht bergauf und die Höhe ergibt zusammen mit dem etwas grösseren Abstand einen schönen Überblick. Einige Hügel später geht es wieder ins Ried hinunter und der Weg verläuft parallel zur Bundesstrasse mitten durch.

So ein Naturschutzgebiet hat natürlich auch seine Bewohner. Eine/r davon macht sich auf den Radweg ganz lang und wird von mir erst gar nicht wahrgenommen. Mit einer Vollbremsung rette ich das Leben der Ringelnatter und verfalle selbst halb in Schockstarre. Bis ich irgendeine Kamera parat habe, ist die Schlange im Gras verschwunden. Radfahren und Schockerlebnisse lassen den Magen eindeutige Zeichen senden, die Tageszeit passt auch, also suchen wir in Bad Wurzach eine Einkehr. Die Wahl fällt auf die Osteria Veneta und erweist sich als Glücksgriff. Ein schönes Restaurant mit superfeiner Pizza. Bleibt nur noch der kurze Nachhauseweg durch den Kurpark und die Abenddämmerung übergibt dem Mond die Regie.

Am Karfreitag erwachen wir ausgeruht und die Temperaturen lassen den Morgenkaffee im Freien zu. Das wurde auch mal Zeit, die Stühle aus dem Winterschlaf zu wecken… Auch heute nehmen wir wieder die Räder und machen diesmal die Ostseite des Rieds unsicher. Dann noch etwas über Land, irgendwo einkehren und später zurückradeln. So der Plan. In der Praxis ging der auch fast auf, nur mit dem Einkehren haperte es. Karfreitag + Oberschwaben + Dorf = Gasthof geschlossen. So die Formel…entsprechend müssen wir wieder nach Wurzach zurück um dort wieder in der Osteria zu landen. Es gibt schlimmere Strafen, aber gern hätten wir auch mal woanders unser Geld liegen lassen. Das Essen, bestehend aus zwei grossen Salaten, war jedenfalls lecker.

Um 13.30 h denken wir langsam an die Abfahrt, machen aber nochmals einen Abstecher ins Ried zu einer kleinen Aussichtsplattform. Dort gibt es einen schönen Einblick ins Gebiet mit seinem speziellen Ambiente. 10 Minuten später laufen wir auf dem Stellplatz ein, wo wir schon ungeduldig erwartet und nicht so freundlich begrüsst werden. Schliesslich stehen wir doch auf seinem reservierten Platz und er hat ja schliesslich bezahlt, der Herr. Nun, mir wurde bei Einchecken gesagt, dasss Platz 5 bis am spätend Nachmittag frei wäre. Jetzt war es grad mal Zwei. Also Räder drauf auf den Träger, Check gemacht und ab gehts, zumal sich auf dem Platz wieder Campinggehabe vom allerfeinsten breitmacht: Die Terrassen werden abgesteckt, Tische und Stühle für die ganze Familie ausgepackt und die nackte 70jährige Plauze in die Sonne gestreckt. Will man daran teil haben? Nein, will man nicht, also nix wie weg!

Wir nehmen die Landstrassen durch Oberschwaben, kommen durch Wolfegg, Kisslegg und dann wieder auf die A7, die uns schliesslich störungsfrei zum Pfändertunnel und dann nach Hause führt. Grad mal 24 Stunden waren wir weg von Zuhause. Und wie immer fühlten sie sich wie kleine Ferien an, mit Sonne, Erlebnissen, Entdeckungen, kulinarischen Genüssen und Seele baumeln lassen. Passt…

 

 

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