Bella Italia 1: Sonne gesucht und gefunden

Die südlichen Nachbarn der Schweiz haben einen ziemlich guten Ruf, was angenehme, erlebnisreiche und kulinarisch reizvolle Ferien angeht. Italien zählt definitiv zun den Top-Destinationen. Ich habe jahrelang nur an Italien gekratzt, Tagestour nach Milano mit dem Zug vor x Jahren, Bergamo/Lago di Iseo vor zwei Jahren an einem Wochenende, sonst nur Durchfahrt durch Südtirol, das ja angeblich auch zu Italien gehören soll, oder mal einige Stunden im grenznahen Italien, das wars. Alitsche hate immerhiin eetwas mehr Erfahrunge mitte belle Italia, aber auch nichte vieleee. 😉

Das ändern wir jetzt, und zwar ordentlich und ausgiebig, si si…

An einem Samstagabend Anfang Mai ist Oski gepackt, Bikes hintendrauf, Warntafel dran. Ascona ist der erste Nightstop, tönt schon italienisch, ist aber noch Svizzera an de Lago Maggiore, bella, bella. Es läuft gut auf der A13 nach Süden, wir sind noch vor der Kaltfront mit Schnee und Ungemach weggekommen. Via Mala, San Bernardino, Mesolcina, es läuft. Von Bellinzona bis an den Lago ist es immer etwas zäh, geht durch die Villagios, aber soweit ok. Der Stellplatz in Ascona ist offiziell ein Parkplatz im Wald oberhalb des Ortes. Keine No Camping Schilder, keine Gebühren. Super, danke Park4night, danke Ascona! Kleiner Wermutstropfen: Von 8 Uhr bis 16 Uhr ist der Platz gesperrt, Abschrankungen mit provisorischen Tafeln verkünden das. Bedeutet: Der frühe Camper kommt ohne Meckern weg. Stört leicht, aber das bekommen wir hin. Also wird Oski abgestellt und wir begeben und auf den Abstieg. Und der ist wortwörtlich zu nehmen: Knapp 400 Stufen sind es hinunter an die Promenade. Der Weg ist aber schön, bietet tolle Ausblicke und er dauert nur zirka 15 Minuten.

Am Ufer gibt es zig Restaurants. Wir wählen die Osteria Nostrana. Rappelvoll ist es. Der Chef lädt uns zu einem Glas Weisswein an der Bar an, „Venti minuti“, zwanzig Minuten müssen wir rechnen, ok. Nach 10 Minuten folgt ein kleines Plättli, Mortadella, Oliven, Ciabatta mit Olivenöl. Wir sehen fasziniert dem Trubel zu, die Kellner haben das Chaos im Griff, nach 20 Minuten sitzen wir am Tisch. Zum Ferienanfang eine Pizza, das ist eine kleine Tradition – wir bereuen es nicht, die Pizze sind perfekt. Zufrieden und satt nehmen wir die Stufen in Angriff, bergauf doch noch mal eine andere Hausnummer. Dafür ist die Pizza schon wieder abgearbeitet.

Auf dem Stellplatz alles i.O. wir haben noch einige Nachbarn bekommen, die sich alle recht unauffällig verhalten, so soll es sein. Angesichts der frühen Tagwacht machen wir nicht mehr lange und es geht ab in die Federn. Bonna notte…

Oh mann, Ferien und der Wecker meldet sich um 0715…na ja wir wussten es. Ein Kaffee hilft beim Wachwerden und Punkt 8 sind wir auf der Strasse. Geschlafen haben wir gut, obwohl nachts gelegentlich mal ordentlich Wind zu vernehmen war. Ich will Oskis Tank noch mit Diesel füllen, dieser soll in Italien noch teurer als in CH sein. Interessant, wir tanken für 1.68 und damit satte 13 Rappen billiger als in Chur. Ähnliches hatte ich in der Westschweiz auch schon beobachtet. Kurz nach dem Tanken finden wir uns auf der Uferstrasse am Lago wieder. Die Grenze ist schnell erreicht und auf italienischer Seite noch niemand wach. Es geht die enge und kurvige Strasse südwärts und es zieht sich ordentlich lang. Der See wirft Schaumkronen und trotz Nordföhn ist es kalt und grau.

Wir wollten eigentlich auf die Borromäischen Inseln, welche bei Stresa im See liegen und mit ihrem pittoresken Charme locken. Aber im Sturm verliert auch die schönste Isola ihren Reiz. Wir beschliessen, weiter nach Süden zu fahren, soweit bis wir die Sonne sehen. Zuerst noch am Lago Maggiore entlang, verlassen wir diesen bei Arona und nehmen die Autostrada A26 nach Süden. Casale Montferrato, Alessandria, lassen wir links und rechts liegen, fahren teilweise schnurgerade durch geflutete Felder in der Poebene. Verkehr ist fast keiner und bei der kurvenlosen Route kann man gut links und rechts schauen.

Irgendwann wird es wieder hügelig und wir erreichen die Ausläufer des Appenin. In Ovada verlassen wir die Autostrada, was für ein Reim. Der Ort hat einen grossen Stellplatz, welcher kostenlos und ganz nah an der Altstadt ist. Wäre keine schlechte Kombi… Allerdings ist Ovada zumindest sonntags sehr beschaulich, verschlafen wäre noch passender und hat heute kein Wetterglück – das Thermometer zeigte bei Ankunft 8° und es regnet. Wir flanieren also mit dem Regenschirm durch die Gassen der teilweise sehr bröckelig wirkenden Altstadt. In einem Café gibt es zwei Cappucino und ein Törtchen für ganze 4.50, wow. Irgendwann kehren wir dann zu Oski zurück. Ovada ginge, nur was soll man sonntagnachmittags um zwei bei Regenwetter hier machen? Somit begeben wir uns wieder auf Sonnensuche und machen uns auf den Weg zu einem Platz, der eigentlich erst am Dienstag angedacht wäre.

Genua will ich vermeiden. Stadtverkehr in Italien und dann noch in Genua mit der fehlenden Brücke von unserer Autobahn auf die Richtung Süden, och nö, das geht besser, so die Theorie. Besser sicher schon, aber nicht schneller. Aus dem nördlichen Europa ist man Landstrassen gewöhnt, die einen zwar nicht extrem schnell, aber meist doch zügig ans Ziel bringen. 85 km war dieses heute von Ovada entfernt, nicht Luftlinie, sondern real. Kann ja nicht so schlimm sein, denke ich. Schlimm wäre auch der falsche Ausdruck für die folgende Kurbelei und Rumpelei über die Strassen im Apennin. Eine Kurve jagt die nächste, Oski wirkt manchmal ganz schön fett und ungelenk, Kurven werden vom spärlichen Gegenverkehr gern mal grosszügig geschnitten, gestern kam ja auch keiner…

Für schwache Nerven ist das nix, aber man gewöhnt sich schliesslich und findet eine Art innere Ruhe. Man akzeptiert die 30 Kilometer als Stundenschnitt, weicht Löchern im Belag aus, ist bremsbereit, lernt sein Auto einzuschätzen und mehr als den Dritten braucht man nicht vom Getriebe. Schlechtes Training ist das nicht. Ich war mit Oski in Jenisberg, dann kann ich auch Italien.

Es wird also doch ein langer Fahrtag, einige Zwischenstops machen wir, bewundern die Gegend und erfreuen uns am heller werdenden Himmel. In Uscio nur wenige Kilometer vor dem Ziel gibt es dann die definitive Prüfung: Das Navi ver..scht uns, hängt einige dutzend Meter nach und zeigt dann nach rechts in eine enge Gasse. Ok… ich nehme die Herausforderung an, quetsche Oski durch die Häuser und lande in einem schmalen, steil bergab führenden Weg. Hmm, die Strasse zu Ziel sah auf Maps irgendwie anders aus.

Wenden ist nicht, also Augen zu und durch. Der Weg ist kaum breiter als Oski mit Spiegeln, das Navi will uns wieder in einen noch engeren Weg jagen, wir beiben auf dem eingeschlagenen. Ein netter Herr parkt seinen SUV vorübergehend um, damit die Durchfahrt breiter als 1.80 wird, grazie mille signore! Noch eine enge Wende und wir sind auf der immer noch schmalen Hauptsrasse. Durch den Ort durch und wir nehmen dann die richtige Strada Provinciale 67 del Monte Fasce, die uns auf den Gebirgskamm an der Küste führt.

Gebirgskamm, si si! Der Apennin ist schon ein ordentliches Gebirge und steigt schroff aus dem Mittelmeer. Wir kommen auf etwas über 700 Meter, was lasch klingt, aber angesichts der Meeresnähe doch sehr spektakulär ist. Der Monte Fasce hat um die 800 m und ist mit Sendemasten gespickt, die aber zumeist Richtung Wasser zeigen. Hier gibt es einen grossen Parkplatz und die Zufahrt zu den Masten. Die nehmen wir und platzieren Oski neben die Schlaglochpiste ins Grüne. Infastruktur null, Aussicht 100 Punkte. So darf es auch mal sein. Zwei drei Fotos genügen erstmal, es ist bewölkt – aber Besserung zeichnet sich ab. Zeit für die Zubereitung des Menüs, das wir wirklich geniessen. Und dann kommt sie die Sonne, und sie taucht alles in ein zauberhaftes Licht, bevor sie dann spektakulär hinter den Alpen abtaucht. Wir tun ihr es ihr nicht allzu lang später gleich und tauchen ab in die Kojen, was für ein Tag!

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