Bella Italia 3: Von weissen Stränden und grünen Hügeln

Nach Steilküste und Touristentrubel der letzten Tage suchen wir nun etwas Beschaulichkeit, vielleicht einen Strand und Ruhe. Für eine flache Küste mit Sandstrand muss man doch noch einige Kilometer nach Süden machen. Wir entscheiden uns für einen Freistehplatz in Rosignano Marittimo, beim Örtchen Vada. Dort steht man unter Pinien in Strandnähe, der Strand ist weitläufig und Ort ist zu Fuss oder mit dem Rad gut zu erreichen. Die Tagesetappe wird von der Naviagation mit 160 Kilometern veranschlagt, was nach den eher stationären letzten Tagen auch Oski mal etwas Auslauf beschert.

Zuerst über wiederum kurvige Landstrassen kommen wir dennoch bald auf die A 12 in Richtung Süden. Wir lassen La Spezia rechts liegen, die weissen Marmorfelsen von Carrara lassen uns zuerst Schneefelder auf fast Meereshöhe vermuten und der schiefe Turm von Pisa zieht vorbei, hmm na ja, wir an ihm. Vor Pisa wird auch die Landschaft flach, der Apennin weicht vom Meer weg nach Osten. Kurz nach Livorno wird es nochmals hügelig und wir erreichen Rosignano. Auch heute wieder erstaunlich, wie ruhig und gesittet der Verkehr auf der Autostrada im Gegensatz zu den Städten abläuft.

In Vada müssen wir unseren Platz zuerst mal suchen. Die eine Einfahrt zum Strand ist mit einer Verbotstafel versehen, die andere durch eine Baustelle blockiert. Etwas Kartenstudium ergibt eine dritte Möglichkeit, die dann auch funktioniert. Der Stellplatz für die kommende Nacht erscheint zuerst nicht extrem prickelnd: Einfach am Strassenrand parken und fertig. Da die Strasse aber eine Sackgasse ist, ausserhalb des Ortes liegt und die Baustelle das Erreichen auch erschwert, ist nicht mit viel Verkehr zu rechnen. Prickelnd wird es, nachdem der Motor abgestellt ist: Meeresrauschen, Vogelgezwitscher, im Wind wiegende Pinien, so gefällt uns das. Hinter Oski führt ein Pfad durch die Büsche – keine 10 Meter und wir stehen am Strand. Das Wasser türkisblau/weiss-milchig und ordentlicher Wellengang, Wind frisch, ebenso die Luft. Nein Badewetter ist heute nicht, aber die Temperatur wenige Meter landeinwärts deutlich milder. Gutes Radwetter.

Endlich kommen die Bikes mal vom Träger! Wir radeln in den Ort, folgen der Landstrasse vorbei an riesigen, nahezu ausgestorbenen Campingplätzen und stoppen in Mazzante, dem nächsten Ort, am kiesigen Strand, der durch einen schönen Pinienwald erreichbar ist. Etwas Sonne tanken, dann geht es zurück nach Vada. Die Vorräte müssen ergänzt werden und der CONAD-Markt erweist sich dafür als angenehme Einkaufsmöglichkeit. Nachdem die Einkäufe verstaut sind, strampeln wir noch in die andere Richtung. Der Strand wird zunehmend breiter und beeindruckt durch seinen fast weissen Sand. Da die Strandbar noch geschlossen ist, vertagen wir den Aperitiv auf später und machen einen ausgiebigen Strandspaziergang. Ein bekanntes Elend zeigt sich leider auch hier: Obwohl der Strand recht sauber wirkt, finden sich leider zig kleine und kleinste Plastikteile  im Sand.

Gar nicht elend war dann der kleine Snack im Sonnenuntergang, bei frischer Meeresbrise und die folgende, wirklich ruhige Nacht.

Szenenwechsel am folgenden Tag: Strand ist schön, macht aber nur bei warmen Temperaturen so richtig Spass. So beschliessen wir die Erkundung des Landesinneren, also der typischen Toskana. Vorher nochmals Auffüllen der Vorräte in Cecina und dann führt die kurze Fahrt zum Bauernhof-Stellplatz „La Serra del Pino“. Wir werden von den zwei Hofhunden freundlich begrüsst, der Senior lässt uns wissen, dass wir einen Platz aussuchen können. Oski bleibt somit da wo er ist. Die acht Stellplätze sind liebevoll angelegt und sehr gepflegt. 20 Euro erscheinen angesichts der guten Ausstattung mit WC, Dusche, Waschmaschine, Sitzgarnituren und Strom inklusive mehr als fair. Zum nächsten Dorf, Montescudaio, sind es zwei Kilometer und die machen wir wieder mit den Rädern.

Montescudaio hat einen historischen Dorfkern und liegt typisch toskanisch auf einem Hügel. Oben, auf dem Kirchplatz bietet sich eine schöne Aussicht bis zum Meer. Die Dorfgassen haben ein mittelalterliches Ambiente, ansonsten ist der Ort ruhig und beschaulich. Noch mehr Toskanaidylle versprechen wir uns von der Weiterfahrt durch die hügelige grüne Toskanalandschaft mit Weinreben, Olivenhainen und den typischen Zypressen. So biegen wir von der Landstrasse in eine Schotterpiste ein und radeln fröhlich zwischen Höfen, Ferienhäusern und Waldstücken den Hügel hinab. Das mit der Rundstrecke erweisst sich schliesslich als Fehler in der Navigation. Open Street Maps zeigte einen Weg, der schliesslichlich zum nicht fahrbaren Bachbett wird. Somit kehren wir um und Jens muss ordentlich in die Pedale treten. Zum Glück hat ein Mountainbike für jede Steigung mehrere passende Gänge…

Wir geniessen den sonnigen Abend auf dem Stellplatz, machen noch einen kurzen Spaziergang und schliesslich taucht der Sonnenuntergang alles in ein zauberhaftes Licht.

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