Bella Italia 4: Alte Steine in der Toskana

Volterra, San Giminignano – wohlklingende Namen und mittelalterliche Städchen gehören in die Toskana, wie der Strand zum Meer. Nach der ruhigen ländlichen Idylle bei Montescudaio führt die Fahrt weiter ins Landesinnere hinein. Schon bald sehen wir eine Stadt, die von Mauern umringt unübersehbar auf einem höheren Hügel trohnt: Volterra. Der Hügel ist über 500 Meter hoch und will zuerst einmal erklommen sein. Ensprechend kurvig führt die Strasse bergauf und Oski macht wieder einmal eine Bergprüfung. Spektakuläre Ansichten der Landschaft inklusive. Dann führt uns die Navigation einmal um die Stadt herum auf einen grossen Parkplatz unterhalb der Stadtmauern, der auch einen ausgewiesenen Teil für Wohnmobile hat. Spätestens hier zeigt es sich: In Italien versteht man es fast überall, diese Art Reisende in den Ort zu holen, bravo.

Wir stellen Oski ab, richten sein Hinterteil etwas auf und fertig aufgestellt ist das Nachtlager. Die Temperaturen sind deutlich frischer als weiter unten auf dem Bauernhof, die Höhenlage macht sich bemerkbar. Mit Jacke und Schirm ausgerüstet nehmen wir die Treppe in das Stadtzentrum in Angriff, Treppen sind wir inzwischen ja defintiv gewöhnt. Die Lage auf dem Hügel war schon zu Zeiten der Etrusker attraktiv, entsprechend reicht die Geschichte der Stadt weit zurück, nämlich bis in 7. Jahrhundert VOR Christus! Aus der Etuskerzeit sind nur einige Bauten und Mauerreste erhalten geblieben, abgesehen von der Ruine eines Römertheaters stammt die Bausubstanz des Stadtkerns heute zumeist aus dem Mittelalter und ist fast komplett erhalten. Das macht Volterra reizvoll und dies scheinen nicht nur wir zu wissen. An Besuchern und Touristen mangelt es nicht, aber im Vergleich zur Cinque Terre ist der Trubel deutlich geringer, weil weniger konzentriert.

Auch am heutigen Sonntag sind die Geschäfte offen und bieten allerlei Waren feil. Insbesondere Lederartikel und Alabasterprodukte sind typisch. Kulinarisch wähnt man sich beim Besuch der vielen Feinkostläden im siebten Himmel, gelandet sind wir später beim Essen im Restaurant „Il Poggio“ eher in der Hölle. Die Pizza war einigermassen ok, die Lasagne leider noch nicht mal auf dem Niveau eines Fertiggerichtes vom Discounter. Hätte ich mir die Google-Bewertung doch nur vorher angeschaut…

Doch vorher haben wir die Stadt genossen, ebenso die Aussicht in die Toskana, der man ja ein besonderes Licht nachsagt – und den Eindruck hatte ich tatsächlich auch. Die Grüntöne, die abwechslungsreiche Landschaft mit verschiedenen weiteren Farbtupfern und der weissblaue Himmel mögen der Grund für diese Empfindung sein. Wir beobachten einige alte Sportwagen, die von einer Rundfahrt zurückkamen und registrieren die Begeisterung für altes italienisches Blech mit Rädern dran – bella macchina…

Präsent bleibt während des Tages der Nordostwind, der am Nachmittag weiter zulegt. So bläst es uns auf der Nordseite der Stadt fast von der Strasse und dunkle Wolken verheissen nichts Gutes. Wir flüchten wieder auf die Sonnenseite der Altstadt und später, bei einsetzendem Regen schliesslich in ein Café und von dort ins Hotel Oski. Anhand der mächtig rauschenden Bäume registrieren wir auch im Auto den Wind, unser Standplatz liegt aber so geschützt, dass wir während der Nacht nicht durch Rütteln geweckt werden.

Der folgende Morgen ist durch graue Wolken und weiterhin lebhaften Wind bestimmt. Wir machen Oski startklar und die Fahrt geht weiter. San Gimignano heisst der erste Stopp des Tages, liegt ca. 30 Kilometer entfernt und ist ebenfalls eine kleine mittelalterliche Stadt. Kurvige oft enge und holprige Landstrassen lassen uns gemächlich reisen. Ein Schnitt zwischen 30 und 40 Kilometern pro Stunde ist auf toskanischen Landstrassen eine gute Kalkulationsbasis für die Tagesetappe. So treffen wir dann nach einer knappen Stunde im Etappenort ein und lassen Oski auf einem Parkplatz unweit der Mittelschule stehen. Einige Minuten Fussmarsch und wir stehen bereits in der Altstadt. Diese bietet zuerst ein ähnliches Bild wie Volterra, hat dann aber doch ein ganz anderes Ambiente. Markant sind die sogenannten Geschlechtertürme. Bei diesen geht es nicht um Männlein und Weiblein, sondern um die Familie. Je höher der Turm, desto wohlhabender war die Familie. So hatten diese Bauwerke repräsentativen Charakter, obwohl das Wohnen sicher nicht sehr komfortabel war.

Ebenfalls auffällig ist der hellbraun-rötliche Stein, aus dem die meisten Häuser gebaut sind. Zusammen mit den auch hier reichlich vorhandenen Shoppingmöglichkeiten ein Ambiente, welches Touristen anzieht. So ist es denn auch lebhaft auf den Strassen und Plätzen. Wir schlendern durch die Stadt und einige Läden bis wir genug alte Steine gesehen haben. Der Speicher für solche Szenen und Bilder ist langsam gefüllt…

Am Dienstag haben wir einen Termin in der Nähe von Florenz. Als Übernachtungsort wählen wir Greve in Chianti. Doch dazu mehr im nächsten Blog 🙂

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