Bella Italia 6: Toskanische Kontraste

Nach der Cinquecento-Tour ist eine knappe Stunde vergangen und wir befinden uns quasi vor den Toren von Siena. Mit Oski wollen wir weder in die Stadt fahren, noch dort übernachten. Eine gute Möglichkeit sehen wir im Agricampeggio „Il Sambuco“, also wieder Camping auf dem Bauernhof. Wir finden dort noch einen freien PLatz, stellen Oski ab, nehmen sie Räder vom Träger und nehmen die vier Kilometer ins Zentrum in Amgriff. Siena ist keine Grossstadt und die Wege deshalb nicht allzu weit. Trotzdem ist das Radfahren mangels Radwegen oder-streifen im quirligen Verkehr nicht sehr angenehm. Wir stellen die Räder in der Altstadt ab und erkunden die Gassen zu Fuss. Die historische Bausubstanz ist vollständig erhalten, was die Stadt zu einem beliebten Ziel internationaler Gäste macht. Die Plaza del Campo mit dem Turm, der Dom, und die nie vollendete Baustelle eines zweiten, grösseren Doms sind nur die  wichtigsten Zeugen der Vergangenheit. Ein lebhafter kalter Wind macht den Rundgang durch die Stadt zu einer frischen Angelegenheit. So begeben wir uns für das Abendessen in das Restaurant. Osso Buco und Pizza waren ordentlich, aber mit einem nicht zu knappen Siena-Aufschlag versehen, was Preis/Leistung nicht unbedingt in ein gutes Verhältnis rückt. Die windige und kühle Rückfahrt überleben wir auch und treffen kurz vor Sonnenuntergang wieder auf dem Hof ein. In Oski wird erstmal die Heizung hochgefahren, unterstützt mit dem Heizlüfter wird es schnell warm und wir verbringen einen ruhigen Abend im Auto.

Der Mittwoch beginnt bedeckt und bestärkt unsere Absicht, heute wieder an die Küste zurückzukehren. Mal etwas Sonne und mal vor dem Auto sitzen, das ist mal wieder Zeit. Ich suche mit der App einen passenden Stellplatz und finde einen interessanten nördlich von Rossignano Marittimo, dem Ort, wo der weisse Strand liegt. Zwischen Siena und dem Meer liegen etwas über 50 Kilometer toskanische Landstrasse und die gehen wir entspannt an, besuchen das Stdädtchen Colle di Valle di Elsa, streifen nochmals Volterra und fahren von dort die uns schon bekannte Strecke diesmal entgegengesetzt. Mit jedem Kilometer Richtung Küste wird es sonniger, das Thermometer steigt von 13 auf immerhin 18 Grad und wir treffen gutgelaunt am Eingang des Stellplatzes „Il Fortullino“ ein. Der hilfsbereite Mitarbeiter lässt uns auf deutsch wissen, dass wir einen Platz aussuchen können, es sei alles frei. So kommt denn Oski unter einer Kiefer zu stehen und wir staunen über die botanische Vielfalt auf dem Platz. Speziell ist der Stellplatz in vielerlei Hinsicht: Die Lage zwischen Strassenbrücke und Bahnlinie, aber doch ein grünes Paradies, nicht direkt am Meer gelegen, aber über einen Dschungelpfad mit diesem verbunden, vieles wirkt sehr improvisiert, aber deswegen auch irgendwie charmant. Uns gefällt es jedenfalls und wir begeben und auf den kurzen Weg zum Meeresufer. Dort ist es steinig und felsig, was den Gang ins Wasser nicht leicht macht. Baden könnte man aber sicher. Wir beschränken uns auf einen kleinen Snack, und geniessen Sonne und Meer auf dem Trockenen. Später am Abend stelle ich Oski noch etwas schräg, Stühle und Tisch kommen endlich mal zum Einsatz.

Die folgenden Nacht verlief weitestgehend ruhig, Strasse und Bahnlinie waren nur sporadisch vernehmbar. Am nächsten Morgen beschliessen wir, noch eine Nacht dranzuhängen. Wir probieren mal die solarbetriebenen Aussenduschen. OpenAir-Duschen unter Bäumen – ein spezielles und aufgrund der kühlen Nacht auch recht frisches Erlebnis. Bei Temperaturen unter 20° C empfiehlt sich defintiv die Dusche am späteren Nachmittag. Nach der Erfrischung geht’s auf die Räder: Wir nehmen die Küstenstrasse ins nächste Dorf namens Quercianella. Hier ist auch noch keine Saison, aber es sind einge Leute am Hafen und auf einer schönen Restaurantterrasse und es ist auch nicht alles geschlossen. Wir staunen über die Liegestuhlpreise am kleinen Strand (2 Stück + Sonnenschirm 40€) und trinken oben auf der Terrasse mit wunderbarer Sicht zwei Kaffee – Dolce Vita…

Weiter geht die Radtour zurück an der Einfahrt zum Stellplatz vorbei in die andere Richtung nach Castiglioncello, wo eine schöne Bucht mit Strand attraktiv erscheint. Der Strand ist aber nicht öffentlich, sondern in Parzellen und zugehörige Strandbars eingeteilt. Die Preise für die Liegegarnitur liegt hier bei 50 Euro pro Tag. Man fragt sich, wer sowas zahlt…

Weiter über einen Hügel, der mit Villen bebaut ist und teuer aussieht geht es nach Rosignano Solvay hinunter. Hier ist das Ufer felsig, es gibt einen Park und die Häuser stehen alle in Gartengrundstücken. Ein echtes Zentrum hat der Ort nicht. Nach kurzen Aufenthalt am Ufer radeln wir wieder zurück. In Il Fortullino gibt es auch ein Strandbad, das mit dem Stellplatz aber wohl nichts zu tun hat. Eine schöne Wiese, eine (geschlossene) Strandbar, eine Sandfläche mit teuren Liegestühle, aber kein wirklicher Zugang zum Meer: Zwischen der Anlage und dem Wasser liegen grosse Steine, die diesen erfolgreich verhindern. So radeln wir dann defintiv zurück, betrachten sorgenvoll den bröckeligen Beton und die freiliegenden Eisenteile der Brücke. Und dann geniessen wir mal das süsse Nichtstun für den Rest des sonnigen Tages…

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