Bella Italia 7: Arrivederci Italia

Irgendwann geht jede Reise zu Ende. Nach zwei entspannten Tagen in Il Fortullino müssen wir langsam an die Heimreise denken. Grundsätzlich ist die Strecke von hier nach Chur gut an einem Tag zu machen. Aber wir lassen es ruhig angehen und fahren schon heute nordwärts in der Absicht, auf dem Weg noch eine weitere Logiernacht einzulegen. Bis Livorno verläuft die SS1 schön an der Küste und es geht gut vorwärts. Die Hafenstadt umfahren wir grossräumig und lassen Oski bis Pisa weiter auf der Via Aurelia gleiten. Kurz vor Pisa sehen wir ein blau-gelbes Einrichtungshaus. Und das hat bekanntlich für Camper immer interessante Goodies. Wir wollten eigentlich nur einen Seifenspender mit Saugnapf…den haben wir nicht gefunden, dafür manches Andere.

Nach dem Shopping geht es weiter Richtung Nord, die Bebauung wird dichter, der Verkehr auch. So sehen wir den schiefen Turm vom Stau aus, bzw. sein oberes Drittel. Pisa liegt zeitlich eigentlich nicht drin und nur wegen des Turmes wollen wir auch nicht ins Gewühl. So zockeln wir im Stop-and-Go weiter bis Carrara, wo es nach einem letzten Einkauf auf die Autostrada Richtung Parma geht.

Nach einigen Kilometern im Apennin wechseln wir wieder auf die Landstrasse. Unser Stellplatz für die kommende Nacht liegt in unmittelbarer Nähe des Passübergangs und so nehmen wir die Kurven und Kehren zum Passo del Righetto in Angriff. Jetzt am frühen Abend sind wir sozusagen allein unterwegs und es macht Spass mit Oski den Pass zu erklimmen. Wenig später treffen wir auf dem Parkplatz am Aussichtspunkt ein. Zwei Bänke, drei Pfützen und ein schöner Blick, das wars. Wir sind allein hier, das Wetter zieht zu und lässt auch keine weiteren Besucher erwarten. Trotz Wind, 9 Grad und leichtem Tröpfeln darf die Drohne noch einmal in die Luft. Die Flugaufnahmen zeigen ein wirklich schönes Plätzchen. Bei gutem Wetter wäre es genial hier, aber auch so ist es prima. Wir kochen eine Kleinigkeit und verbringen einen ungestörten Abend, der von einer ebensolchen Nacht abgelöst wird.

Am nächsten Morgen hat sich das Wetter weiter verschlechtert. 7° und es regnet, bei ziemlich starkem Wind. Aber wir wollen heute eh den Sprung in die Heimat machen. 400 Kilometer liegen vor uns, und die beginnen mit dichtem Nebel. Im ersten Dorf auf der Nordseite des Passes findet eine Veranstaltung mit historischen Lastwagen statt und die Strasse wird während der Festrede kurzerhand für einige Minuten gesperrt. Vorbei an den Oldtimern führt die Strasse kurvenreich auf dem Bergkamm weiter und fällt erst kurz vor Parma in vielen Windungen deutlich bergab. Es schüttet teilweise aus Kübeln – einen Stadtbesuch von Parma sparen wir uns deswegen. Von Parma sehen wir nur die dortige IKEA-Filiale, wo wir in Pisa nicht erhältliche Artikel zumindest teilweise doch noch finden.

Die folgenden Kilometer über die Autostrada sind gradlinig und langweilig. Einige Abwechslung sind die Mautstationen und die Leerung von Grauwasser und Toilette. Um Mailand herum ist der Verkehr sehr viel dichter und man merkt, dass die Stadt wirklich enorme Aussmasse hat. Schön, dass man die Alpen schon gut sieht, das verkürzt die Fahrt gen Norden wenigstens auf psychischer Ebene…

Como liegt direkt an der Grenze zur Schweiz und schon in den Bergen. Hier waren wir schon mehrfach und insbesondere die Altstadt gefällt uns sehr. Ein guter Stop für ein Abendessen und etwas Beine vertreten. Der Stellplatz von Como besteht aus drei etwas grösseren Buchten auf einem Parkplatz in Altstadtnähe. Einer ist noch frei für uns, prima. Übernachten würden wir hier aber wohl eher nicht. Das Ambiente ist nicht prickelnd und ob man nachts Ruhe findet ist zumindest fraglich. Für den Zwischenstop ist das aber sekundär und so begeben wir uns in die Gassen. Como ist deutlich gepflegter als die Städte weiter im Süden. In den Gassen gibt es viele teure Läden und man merkt, dass hier oft eine wohlhabende Klientel verkehrt. Typisch italienisch öffnen viele Restaurants erst abends um 19.00 h, was die Auswahl drastisch reduziert. An der Piazza del Duoma finden wir dann eine Pizzeria und das Gebotene ist ok und erschwinglich.

Die Einreise in die Schweiz erfolgt ohne Kontrolle in Chiasso. Nach zwei Wochen Italien fällt sofort auf, dass alles sehr viel gepflegter ist und die Strassen keine Löcher mehr haben. Es wirkt jetztfast steril für uns, aber das gibt sich ;-). Vorbei an Lugano, über den Monte Ceneri, und nach Bellinzona biegen wir auf die A13 nach Graubünden ab. Kaum Verkehr und es dunkelt langsam ein. erwartete Ankunftszeit in Chur 22.30 h. Und dann noch ausladen…irgendwie ein unwürdiges Ferienende, finden wir. Und beschliessen, noch eine Nacht dranzuhängen.

Die Strasse über den San Bernardino Pass ist noch geschlossen, schauen wir mal, wie weit man dort hochfahren kann. Ok wirklich weit kommt man nicht, bis zum Campingplatz und dann ist fertig, die Schranke unten. Wir rollen wieder einige Meter talwärts und finden einen kleinen Kiesplatz neben der Strasse. Es ist dunkel, tröpfelt leicht, das Thermometer zeigt 4 Grad. Ok, hier bleiben wir und fallen nach einem Betthupferl in die Kojen. Noch mal Freistehen, das ist angemessen…und könnte immer so weitergehen, denken wir während dem Übergang ins Reich der Träume.

Am Sonntag ist die Heimfahrt noch knappe 70 Kilometer lang. Standardprogramm, locker und stresslos. Mittags treffen wir in der Tiefgarage ein und Oski wird um 75 Kilo erleichtert…ja ich habe mal alles gewogen, was wir ausgeräumt hatten, die Einkäufe und Mitbringsel natürlich eingerechnet.

Was bleibt? Wir haben die Tage in Italien wirklich genossen. Das Land ist geografisch nah für uns und doch tickt es ganz anders. Der Zustand vieler Gebäude erinnert teilweise an Ruinen, vieles wirkt marode und gebastelt und trotzdem irgendwie charmant. Ich glaube, gerade diese Nicht-Perfektion ist es, die das Land ausmacht. Wohnmobile sind fast überall willkommmen und entsprechend sieht man auch oft welche. Bravo Italia!

Nachfolgend die Stellplätze und etwas Statisik

Ascona 1 Nacht Parkplatz Parco Parsifal 0.-

46°09’30.5″N 8°45’40.6″E / 46.158459, 8.761284

 

Monte Fasce (Genua) 1 Nacht Parkplatz 0.-

44°24’49.8″N 9°02’29.4″E / 44.413838, 9.041502

 

Levanto 3 Nächte Campingplatz Aqua Dolce 94.20

http://www.campingacquadolce.com/index.php?lang=de

 

Monterosso 1 Nacht Stellplatz Il Poggio 20.-

http://www.parkcamperilpoggio5terre.it/

 

Vada 1 Nacht Stellplatz Sosta Camper Pietrabiancha 0.-

43°21’36.2″N 10°26’36.7″E / 43.360066, 10.443519

 

Montescudaio 1 Nacht Agricampeggio La Serra del Pino 20.-

http://www.laserradelpino.com/

 

Volterra 1 Nacht Stellplatz 12.-

43°24’11.6″N 10°51’52.4″E / 43.403223, 10.864555

 

Greve in Chianti 1 Nacht Stellplatz 0.-

43°35’25.1″N 11°18’49.4″E / 43.590304, 11.313727

 

Siena (Uopini) 1 Nacht Agriturismo Il Sambuco 20.-

http://www.ilsambuco.si.it/

 

Rosignano Marittimo 2 Nächte Stellplatz Il Fortunillo 30.-

http://www.ilfortullino.it/

 

Passo del Righetto 1 Nacht Parkplatz 0.-

44°27’01.0″N 9°55’10.4″E / 44.450282, 9.919550

 

San Bernardino 1 Nacht Ausstellplatz an der Passstrasse 0.-

46°27’56.1″N 9°11’07.6″E / 46.465593, 9.185435

 

Übernachtungskosten: Euro 196.20

Fahrstrecke total: 1679 km

Dieselverbrauch: 151 l

Dieselkosten: Euro 219.-

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Joachim H. (johebo) sagt:

    Eine sehr schöne Reise, schade, dass sie zu Ende ist – aber wenn je der abgedroschene Spruch „nach der Reise ist vor der Reise“ Berechtigung hatte, dann ja wohl in Eurem Fall! Ich sehe dem nächsten (großen) Abenteuer nit Spannung entgegen und wüsche dafür jetzt schon mal alles Gute…

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    1. vanamericana sagt:

      Danke Joachim. Die Ferien sind zuende, die Reise kann beginnen, wäre auch noch ein Spruch. Wir sind gut dran, an den Vorbereitungen…;-) Danke und Grüsse, Jens

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