Auto

Wenn man ein Jahr lang mobil leben möchte, ist es durchaus angeraten, sich über den dafür nötigen fahrbaren Untersatz einige Gedanken zu machen.

Wir haben inzwischen einige Erfahrung mit Ferien im Wohnmobil. Siebenmal waren wir in Kanada, davon sechsmal mit unterschiedlichen amerikanischen Campern. In 2016 haben wir Südschweden bereist und damit zum ersten Mal ein Wohnmobil europäischer Bauart ausprobiert. Auch 2017 in Neuseeland hat unser Mobil einen Ducato als Basis gehabt und sich durchweg bewährt.

In 2018 möchten wir die Ferien endlich im eigenen Auto verbringen und die Zeit auch nutzen um mögliche Schwachpunkte zu erfahren und „erwohnen“.

Alle Bauarten – Integrierter, Teilintegrierter, Kastenwagen, Van, Geländewagen – haben ihre Vor- und Nachteile. Naturgemäss gehen innere Grösse und Luxusausstattung mit Schwerfälligkeit einher. Ein enges Fahrzeug mit spartanischer Ausstattung kann dafür unter Umständen sogar ein Erstwagen sein.

Als Lösung bietet sich für uns ein ausgebauter Kastenwagen, von mir lieber Van genannt, an. Diese Vans sind gut zu fahren, bezahlbar, tausendfach bei Kurierdiensten und Handwerkern bewährt und im Unterhalt vergleichsweise günstig. Nachfolgend einige Gedanken:

Fahren: Die Panamericanatour geht über einen Strecke von ca. 30000 Kilometern. Dies in ca. 180 Tagen. Macht 166 am Tag. Dazu eine ähnliche Streckenlänge in den USA und Kanada. Das Fahren steht also ganz oben auf der Liste. Wir möchten schlank bleiben, damit enge Strassen souverän zu meistern sind. Ducato/Jumper/Boxer – diese, bis auf die Motoren, weitestgehend baugleichen Vans sind ohne Spiegel gerechnet 205 cm breit. Das passt uns gut und es kommt auch dem Verbrauch an Kraftstoff zugute, wenn die Stirnfläche nicht ausufert.

Wohnen: Die 205 cm Breite begrenzen die Möglichkeiten beim Ausbau schon im Vergleich mit einem üblicherweise 230 cm breiten „richtigen“ Wohnmobil. Dessen senkrechte Seitenwände erweitern das Raumgefühl noch zusätzlich – beim Van nimmt hier die Breite in Richtung Dach doch deutlich ab. Insgesamt ist das Raumgefühl sehr viel enger. Wir haben es angeschaut – für uns es ist immer noch absolut akzeptabel – wir verbringen ja hoffentlich nicht zuviel Zeit IM Mobil.

Zuverlässigkeit: Ich mache diese an Aussagen von Händlern, an Berichten im Netz und dem, was ich sonst mitbekomme fest. Das 100% pannenfreie Auto gibt es nicht. Aber die Paketdienste, Handwerker, Kleinunternehmer und Ausbauer werden nicht alles falsch machen und eine Krücke als Untersatz wählen. Ein Nachteil des Citroen Jumper ist evtl. die eher geringe Präsenz der Marke in Süd- und Mittelamerika. In den USA  und Kanada wird das Auto als RAM Promaster vertrieben. Eine gewisse Beruhigung verschafft es uns, dass es diese Autos mittlerweile über den Atlantik geschafft haben. Trotzdem, gewisse Ersatzteile müssen wohl mit und Grundkenntnisse der Technik sind von Vorteil.

Gelände: Die Panamericanatour mit ihren derzeit ca. 1000 Kilometern (Tendenz abnehmend) Schotterpistenanteil erfordert KEINE aussergewöhnliche Technik wie Allradantrieb, Geländereifen und absolute Unverwüstlichkeit. Trotzdem: Etwas mehr Bodenfreiheit kann nicht schaden, anständige Reifen auch nicht und eine stabile Karosse hat sowieso Vorteile. Wir sehen gerade beim letzten Punkt ein grosses Plus für den Kastenwagen. Die Bodenfreiheit wird durch das sog. Maxi-Chassis etwas verbessert und könnte durch längere Federn weiter gesteigert werden. Der Frontantrieb wird in den allermeisten Fällen unauffällig seinen Dienst versehen. Also alles gut.

Preis: Ein Jahr unterwegs bedeutet ein Jahr (fast) ohne Einkommen aber jeder Menge Ausgaben. Punkt. Und nein, wir sind keine Millionäre. Das heisst, alles was beim Autokauf übrigbleibt, fliesst ins finanzielle Polster. Die Grenze beim Autokauf liegt für uns zwischen 50- und 60 Tausend harten Franken. Dafür gibt es manchen Vanausbau, viele Teilintegrierte, aber keinen 4×4-Sprinter mit Expeditionskabine, wie er uns auch gefallen würde.

Innenausbau: Beleuchtete Champagnerglashalter wollen und brauchen wir nicht. Dafür einen soliden, ordentlichen Ausbau ohne Schnickschnack mit Schwerpunkt Zweckmässigkeit. Wir wollen aber auch nicht nur einfach zwei Matratzen im Laderaum. Unsere „neue Wohnung“ wird also Küche, Esszimmer, Bad/Dusche, Schlafzimmer beinhalten. Zudem möchten wir einen robusten Boden, halbwegs solide Rahmenfenster und eine in einigen Punkten auf uns abgestimmte Konfiguration. Erstaunlich, wieviele Hersteller gerade beim letzten Punkt durchs Raster fallen. Die meisten günstigen sowieso. Wir blieben auf der CMT 2016 in Stuttgart bei Clever Vans hängen. Zwischendurch und auch auf dem Caravan Salon Bern im Oktober 2016 schauten wir uns andere Kandidaten an, die auch teils interessante Grundrisse oder Detaillösungen hatten. Am Schluss fiel die Entscheidung – nicht nur der Preise wegen – zugunsten des Clever Runner 636 aus.

Und so ähnlich wird er wohl aussehen, unser Clever Runner 636 auf Citroen Jumper Basis:

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