Autarkie

Autarkie

Als Autarkie bezeichnet man im technischen Sinne die Unabhängigkeit von Systemen, welche eigenständig ohne Anschluss an andere betrieben werden.
Auf ein Wohnmobil übertragen bedeutet es die Unabhängigkeit von Betriebsstoffen wie Diesel oder Gas, von externen Energiequellen, von der Ver- und Entsorgung von Wasser und natürlich den Lebensmittelvorräten der Bewohner.

Ein Wohnwagen, oder auch ein Wohnmobil, welches die Ferien auf Campingplätzen verbringt, braucht nur ein Mindestmass an Autarkie. Ein Expeditionsmobil, das für die Durchquerung einer Wüste geeignet ist erfordert hingegen grosse Vorräte und Reserven jeglicher Art.

Eine Tour wie die Panamericana liegt irgendwo dazwischen. Auf die einzelnen Punkte gehe ich nachfolgend ein.

Kraftstoff: Diesel ist weltweit verfügbar. Der Van braucht zwischen 8 und 11 Liter auf 100 km, was mit einem Tankvolumen von 90 Litern genügend Reichweite für jedes Strassennetz ergibt. In dünn besiedelten Gegenden ist es trotzdem ratsam, jeder vertrauenerweckende Tankstelle einen Besuch abzustatten, wenn die Nadel in Richtung 1/2 geht. Heizt man auch mit Diesel, dann muss man bei Temperaturen über Null mit 0.2 bis 0.5 Litern pro Stunde rechnen, eine Menge, welche die Reichweite nicht allzusehr reduziert.
Bei einer Gasheizung bleibt der Dieseltank unberührt. Dafür hat man in der Regel zwischen 11 und 22 kg Gas an Bord, das je nach Gebrauch von einigen Tagen bis zu mehreren Wochen ausreichen kann.
Auch gekocht wird in der Regel mit Gas, das schnell und günstig die benötigte Energie abgibt. Die Gaskochstelle ist deswegen bei den allermeisten Mobilen der Standard.

Elektrizität: Grosses Thema, da in unserem Alltag allgegenwärtig. Anders als zuhause, fliesst der Strom nicht einfach unbegrenzt aus der Steckdose. Das 12 V Netz des Autos wird beim Camper um ein zweites für das Wohnabteil ergänzt. Strom wird beim Fahren von der Lichtmaschine erzeugt, die Aufbau- und Starterbatterien lädt. Wohnmobile verfügen immer auch über ein Ladegerät mit Netzanschluss zum Laden der Aufbaubatterie. Sobald das Mobil mit dem Stromnetz verbunden ist, lassen sich auch im Inneren Geräte wie Kaffemaschine, Haartrockner etc. in gewohnter Art betreiben.
Möchte man solche Geräte auch ohne den externen Stromanschluss betreiben, braucht man einen Wechselrichter, der aus dem 12 V-Bordnetz den Haushaltsstrom von 230 V generiert. Spätestens in diesem Moment muss man die in den Aufbaubatterien gespeicherte Energiemenge beachten und rechnen.

Als Beispiel soll unsere Ausrüstung ab Werk dienen: Zwei Batterien mit 12 V und 95 Ampérestunden (Ah) Kapazität ergeben 190 Ah. Sofern es sog. AGM-Batterien sind empfiehlt sich eine maximale Entladung von maximal 50 %. Macht also wieder 95 Ah bei 12 V. Das entspricht einer Energiemenge von 1140 Wattstunden (Wh) oder 1.14 Kilowattstunden (kWh). Um eine Anwendung aus der Praxis zu nennen, ich könnte mir also ca. eine Stunde lang mit einem 1000 Watt – Haartrockner die Haare föhnen, dann müsste ich die Batterien wieder laden.

Neben dem Wechselrichter benötigen noch andere Bordgeräte Strom: Kühlschrank, Beleuchtung, Radio, Heizung, Wasserpumpe seien hier als Hauptverbraucher genannt. Diese laufen teilweise längere Zeit, oder sogar durchgehend, was einen durchaus ernst zu nehmenden Grundverbrauch ergibt.

Da das Mobil auf unserer Panamericana-Tour nur selten externen Strom bekommt und auch nicht jeden Tag gefahren wird, brauchen wir ein eigenes „Kraftwerk“. Dieses wird bei unserem Van auf das Dach geklebt und erzeugt die Energie aus Sonnenlicht. Solarzellen sind einfach eine gute Lösung, die elektrische Autarkie zu verlängern. Jedenfalls, solange man es mit dem Stromverbrauch nicht übertreibt.

Die beste meiner Meinung nach informativste Übersicht über autarke Energieversorgung von Wohnmobilen gibt es bei Amumot.

Wasser: Beim Wasser werden wir unterscheiden zwischen Trinkwasser und Brauchwasser – zumindest auf der Panamericana. Der Wassertank fasst beim Runner 636 80 Liter. Damit sollten zwei Bewohner dreimal duschen und anderen Verrichtungen nachgehen können. Auch das Geschirrabwaschen dürfte noch einige Male möglich sein. Wasser zur Konsumation und zum Kochen kommt aus der Flasche oder dem Kanister. Das Abwasser geht in den 90 Liter grossen Tank. Somit steht alle paar Tage eine Ver- und Entsorgung an.

Lebensmittel: Einen rollenden Lebensmittelladen werden wir sicher nicht haben. Stauraum ist nicht im Überfluss vorhanden und an manchen Grenzen ist man allergisch auf Lebensmittelimporte. Einige Grundnahrungsmittel sind sicher auch mal einige Kilometer länger dabei, anderes wird so oft wie möglich frisch besorgt. Das Kühlschrankvolumen von 90 Litern, davon 12 l Gefrierfach dürfte ausreichend sein für den Zweipersonenhaushalt.

Wir fühlen uns also theoretisch recht gut gerüstet. Etwas Sparsamkeit ist bei Strom und Wasser durchaus angeraten. Aber drei, vier Tage Autarkie dürften für unsere Zwecke absolut genügen. Zu ändernde Punkte beim Serienfahrzeug: Unser Runner wird mit 200 WP-Solaranlage und Dieselheizung ausgerüstet.